Gedanken

[Gedanken] Aufbruchstimmung

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Drachenwand-Klettersteig

Es bohrt, es wispert, es lauert… dieses Gefühl des Aufbruchs. Irgendwann wird es so stark, dass es aus einem heraus bricht, nicht mehr zu bändigen, wild und entschlossen.Dieser Moment gleicht einer Achterbahnfahrt. Man steigt ein, wird festgeschnallt, ist nervös aber man fühlt sich sicher und zuversichtlich. Dann rollt der Waggon los, zuerst langsam, dann immer schneller bis man sich letztendlich kreischend in den Kurven wiegt. Welch ein befreiendes Gefühl! Fast schon orgastisch. Völlig euphorisch und glückselig steigt man aus. Man hat es geschafft! Und es war toll!
Genau diese Stimmung, diese Eindrücke, dieses Auf und Ab möchte ich mit euch teilen.

Kurze Rückblende: Ein jeder kennt wohl solche Phasen des Auf- und Umbruchs. Ich kann meine schon gar nicht mehr zählen, so stetig kommen und gehen diese. Eine davon ereilte mich vor ca. 6 Jahren, als ich einen guten Job aufgegeben habe, um zu studieren. Ich wollte es einfach nochmal „wissen“. Die Aussicht meine wertvolle Lebenszeit in einem 8 to 5 Job zu verschwenden, war für mich nicht sonderlich einladend.
Ich hab das Studium nach ca. 3 Jahren abgebrochen, aber ich kann absolut nicht behaupten, dass es umsonst war oder ich diesen Schritt bereue. Ich habe viele wunderbare Menschen kennen gelernt, die ich nun als meine Freunde bezeichnen darf. Generell hab ich viel dazu gelernt über das Sozialverhalten von Studenten, das Campus-Leben, das Bildungssystem, Studentenpartys und was junge Menschen für Träume haben. Und wer weiß? Vielleicht wage ich den Schritt doch noch und beende mein Studium in meiner nächsten Aufbruchphase.

Mein derzeitiges Hoch kündigte sich an, als ich 30 wurde. Verdammt 30… das muss man sich mal vorstellen. Als Kind bzw. Jugendlicher denkt man sich: Wow 30, das sind die „Älteren“, die „Erwachsenen“, aber um ehrlich zu sein, fühle ich mich so gar nicht erwachsen. Im Gegenteil: Ich schlurfe durchs Leben, wie eh und je. Ich habe weder Kinder, noch ein Eigenheim (Eigentumswohnung, Haus), noch eine wahnsinnig erfolgreiche Karriere.
Ich gehe gerne aus, trinke dabei manchmal zu viel, ich bleibe lange auf, höre laute, krachende Musik, ich mache immer noch den selben Blödsinn wie vor 14 Jahren auch schon. Bis auf das Rauchen, das hab ich aufgegeben.

Ein weiterer bedeutender Faktor im Leben eines jeden ist das Geld. Das verdammte Geld! Das kann einem schon mal die Hochstimmung vermiesen und das aufkeimende Aufbruchsgefühl ersticken in eben selbigem.
Bei mir haben sich mit dem Älter werden die Finanzen leider nicht gebessert. Als Kind hat man diese verklärte Vorstellung, dass man mit dem größer werden automatisch auch mehr Geld hat. Wenn einem die Mama wiedermal keinen Lutscher kauft, schreit man heulend durch das ganze Supermarkt-Gebäude: „Wenn ich groß bin, dann hab ich soooo viel Geld und kauf mir was ich will“ Jajajajaja….Wir wissen wohl leider alle, wie es wirklich ist.

Zurück zum Punkt: Mein Aufbruch. Es musste etwas passieren. Ich wollte so nicht weitermachen. Ich hab den vollen Frust geschoben, absolut nichts erreicht zu haben. Ich kam mit dieser Unzufriedenheit nicht klar. Vor einem Hoch kommt ja bekanntlich immer ein Tief und in dem steckte ich bis zum Halse drin. Ich nenne es vereinfacht die typische „30er-Krise“. Sie muss einen nicht zwingend ereilen, aber bestimmt viele kennen diese Art der ersten Midlife-Crisis bzw. hoffentlich erst One-Thirdlife-Crisis.
Und was war für mich immer schon ein gutes Ventil? Die Berg-Geherei.

Kurz nach meinem 30er habe ich eine Tour gemacht, die ich schon ewig vor hatte. Vom Schlenken auf den Schmittenstein. Wie so ziemlich alles bei mir, war das eine spontane Entscheidung oben am Schlenken-Gipfel. Ich war so unglaublich stolz. Ja gut… Viele schütteln jetzt wahrscheinlich den Kopf, weil es nicht gerade die mega Herausforderung ist, aber für mich war es etwas Besonderes. Ich hab den Draht zu den Bergen wieder gefunden.

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Blick zurück zum Schmittenstein

Aber nicht so schnell…. mich holte die Sommer-Flaute ein. Ca. 3 Monate zogen ins Land, ohne dass ich mich einen Höhenmeter weiter vom Meeresspiegel entfernt hätte… der Frust entdeckte seine Chance und kam langsam und schleichend zurück…

Den absoluten Wendepunkt und letzten nötigen Schub brachte dann letztendlich das Bergfilmfestival im Salzburger DAS KINO. Folgendes habe ich noch nicht erwähnt, daher ein kurzer Exkurs an dieser Stelle:

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Ich wohne im wunderschönen Salzburg. Eine Stadt, in der andere Urlaub machen. Salzburg liegt so ein bisschen in der Mitte von Österreich, aber nicht ganz… denn der Mittelpunkt Österreichs ist Bad Aussee, da wo meine Mama her kommt.
Wenn ich nicht gerade diesen Blog schreibe oder auf Berge spaziere, verdiene mir meinen Lebensunterhalt im Kino. Manche haben sich wahrscheinlich schon das ein oder andere Mal bei mir eine Kinokarte oder eine Cola gekauft.
Das berühmte Bergfilmfestival also, mein Zweites hinter der Kassa. Es war erneut faszinierend zu sehen, wie anders plötzlich das Publikum ist. Bergsteiger, Kletterer, Freerider und einfach nur bergbegeisterte Menschen gingen ein und aus, schwatzten über ihre letzten Touren, ihre Pläne oder genossen einen Kaffee an der Bergbar.
Ich lauschte dem munteren Treiben mit Spannung, während aus dem 1.Stock die Lounge-Klänge der gemütlichen Bar herunter tönten. Vor allem wenn Gäste zu Besuch waren wie beispielsweise ein Herr Diemberger, eine Frau Schimke oder ein Herr Dyhrenfurth, saß ich oft gespannt hinter meinem Tresen und konnte den Blick nicht abwenden. Da stehen einen Meter vor einem Legenden des Alpinismus und sind doch im Grunde auch nur Menschen und untereinander gute Freunde. Ein bisschen Kitsch-Romantik oder? Diese Berg-Gemeinschaft.

Zur Zeit sieht man es mir nicht unbedingt von weitem an… aber ich habe doch auch schon einiges erlebt an kleineren Touren und wenigen Größeren. Irgendwie kam es dieses Jahr mit Kollegen besonders häufig auf dieses Thema… Und der Grundstein war gelegt. Ich wollte, NEIN ich musste wieder öfter auf einen Berg. Es hat mich gepackt: Das Berg-Fieber. Erneut und hoffentlich diesmal für immer.
Ich hab bis dato instinktiv Ausreden gesucht wie: „Ich hab kein Auto“, „Ich hab niemanden, der mitgeht“, „Ich habe nicht die richtige Ausrüstung“ und so weiter, aber in den kommenden Wochen und Monaten möchte ich euch zeigen, dass es auch ohne großartige finanzielle und aufwendige Mittel funktioniert auf einen Berg zu gehen. Dem Berg ist das alles ziemlich egal. Dort zählt kein Status oder wie man da hoch kommt. Wer wirklich rauf will, mit dem Herzen dabei ist und den nötigen Respekt hat, der wird es schaffen und bekommt als Belohnung den unschlagbar traumhaften Gipfelausblick und das beste Gefühl der Welt, das ich nicht in Worte kleiden kann.

„Nicht der Berg ist es den man bezwingt, sondern das eigene Ich“

-Edmund Hillary

Mein Dezember 2016 war daraufhin ziemlich aktiv. Ich hab einige Touren in der Salzburger Gegend unternommen, darunter: Frauenkopf-Schoberrunde, Kleiner Barmstein, Gaisberg (Praktisch, so ein Berg mitten in der Stadt), City Wall-Klettersteig (Praktisch, so ein Klettersteig mitten in der Stadt), Drachenwand-Klettersteig, Almkogel, Untersberg. Einzig eine Skitour hab ich leider noch nicht gemacht. Der Schnee lässt auf sich warten, aber das ist hoffentlich nur noch eine Frage der Zeit.
Ich werde meine weiteren Erlebnisse und Erfahrungen hier nieder schreiben und euch daran teil haben lassen.

therapie-berge-t-shirts-maenner-premium-t-shirtBerg gehen ist jetzt nich das Non-Plus-Ultra Heilmittel aus der „30er-Krise“, aber es ist auf jeden Fall ein Anfang und besser als jede Therapie!
Ich weiß auch, dass aus mir bestimmt keine Profi-Bergsteigerin mehr wird, aber muss ja auch nicht sein. Jeder kann sich kleine, schaffbare Ziele stecken und im Grunde ist sowieso jeder Gipfel ein Gewinn.
Damit schließe ich meinen ersten Blog-Eintrag und hoffe ich hab euch nicht zu Tode gelangweilt.

Wie ihr wahrscheinlich bemerkt habt, wird dies nicht der typische Outdoor-Blog mit reinen Touren-Infos. Ich möchte Erlebtes aus einem persönlicheren Blickwinkel reflektieren.

Auf bald,
eure Romana

5 thoughts on “[Gedanken] Aufbruchstimmung”

  1. Ich freue mich über dein Folgen. Toll, dass du die Berge für dich entdeckt hast und den Aufbruch wagst. Ich wünsche dir viele wunderbare Bergerlebnisse. Viele Grüße, Marion
    PS Mit 60 wirst du sagen, wie jung ist 30 : )

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  2. Bin gerade per Zufall auf deinen Blog gestoßen und bin voll fasziniert. Ich kann mich total in dich hineinversetzen (die 30er-Krise hat auch mich erwischt) und freu mich schon, mehr von dir und deinen Abenteuern zu lesen. Vielleicht geht sich ja mal eine gemeinsame Bergtour aus? 😉
    LG aus Kaprun

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    1. Hallo liebe Anna!
      Schön, dass du her gefunden hast. Solche Nachrichten freuen mich am Allermeisten 🙂 Danke dir! Denn genau deswegen habe ich diesen Blog ins Leben gerufen! Und für eine Bergtour bin ich sowieso immer zu begeistern 🙂 Also sehr gerne!
      Liebe Grüße,
      Romana

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