Anfänger, Bergtour, Skitour

[Skitour] Spirzinger 2066 m

Eckdaten:

Art der Tour: Skitour
Ziel: Spirzinger-Gipfel 2066m
Talort: Untertauern
Startpunkt: Vordergnadenalm
Dauer Aufstieg: ca. 2h 30m
Dauer Abfahrt/Abstieg: ca. 45 min
Höhenmeter Aufstieg: 850 HM
Schwierigkeit: leicht
Anreise: Auto
Wetter: Sonne
Pistenzustand: Harsch, Eis, zerfahren, vom Winde verweht;
Abfahrt besser als Aufstieg
Einkehrmöglichkeit: Südwienerhütte, Gnadenalm

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Als „typischer“ Social-Media verseuchter, junger Mensch treibe ich mich zwangsläufig in diversen Facebookgruppen herum, die das Thema „Berg“ in jeglicher Form zum Hauptinteressensgebiet haben. Je aktiver man dort ist, desto eher erkennt man sich wiederholende Muster und Namen. Es gibt wie überall im Leben die Aktiven, die die hauptsächliche Gruppengestaltung übernehmen, die Kommentierer, die ihren Senf dazu geben und die stillen Mitleser. Ich habe in den letzten Wochen meinen Status vom stillen Mitleser über den Kommentierer zum Mitgestalter geändert und bin jetzt so irgendwie ein bisschen was von allem.
Jedenfalls worauf ich hinaus will, ist: Ich habe mich nun doch endlich mal überwunden, mich mit jemanden aus einer Gruppe zu einer Skitour zu verabreden. Wer selbst nicht mobil ist und wenig Freunde mit dem selben Hobby hat, muss eben erfinderisch sein.

Meine Auserwählte war eine aktive Posterin ihrer stetig mehr werdenden Touren, obwohl sie erst diese Saison den Skitour-Sport für sich entdeckt hatte. Das klang schon mal vielversprechend. Aus einem beiläufigen Kommentar (Gehn ma mal a Tour?) wurde schnell ernst und wir verabredeten und für Anfang Februar zu einer Tour auf den Zinken. Da wir Bergjunkies aber bis dahin nicht untätig sein wollten und konnten, ergab es sich schon jetzt, eine gemeinsame Tour anzupacken.

Wenn man zum ersten Mal gemeinsame Touren mit quasi Fremden macht, ist es immer gut, sich im Vorfeld über die eigenen Fähigkeiten auszutauschen. Es bringt nicht viel, wenn jemand Untrainiertes wie ich mit einem Skitour-Rennläufer, den Berg hoch schnauft. Klar geht’s, aber angenehmer ist es, wenn die Fähigkeiten ungefähr im selben Rahmen sind. Ich bin nicht so fit im Aufstieg, sie meinte sie ist nicht so gut im Abfahren, also haben wir uns quasi in der Mitte getroffen – passt.

Wir einigten uns auf eine gemütliche Anfängertour in Untertauern – Den Spirzinger.

Wir wurden spontan von einem ihrer Freunde begleitet, also waren wir nun zu dritt.

Die Anreise

Das ist leider eine dieser Touren, die nur mit dem Auto zu erreichen ist. Somit war das war einer der Gründe, warum ich unbedingt diese Tour machen wollte. Für mich ergibt sich nicht so oft die Chance weiter weg in die Berge zu fahren. Zusätzlich überzeugt hat uns aber auch eine neue Gegend kennenzulernen und mal etwas anderes zu sehen, als das übliche Panorama in unseren Breiten. Dort sind die Berge ja doch schon etwas mehr und höher (ab 2000m aufwärts).

Der Treffpunkt wurde fixiert auf 9:30 Uhr in Anif beim Hofer. Der ist selbst für mich mit dem Bus gut zu erreichen und so musste niemand einen argen Umweg machen.

Die beiden Fahrer haben beschlossen mit nur einem Auto zu fahren und so wurden schnell die Sachen um- und eingeladen. Mit Hilfe von Auto-Tetris klappt das selbst bei kleinen Autos ganz gut. Das kann ich nur immer wieder bestätigen. Das zweite Auto schnell noch eingeparkt und los ging’s.

Obertauern sieht auf der Landkarte sehr weit weg aus, aber die Fahrt kam mir gar nicht sooo lange vor. Über die Autobahn geht das relativ ratzfatz…
Ich vermisse das Auto fahren immer mehr…
Die Zeit haben wir uns mit dem klassischen Kennenlern-Smalltalk vertrieben und damit  über die Routenplanung zu schwatzen. Zack bumm da war sie auch schon: Die Gnadenalm.

Der Anstieg

Die Gnadenalm ist eine Ansammlung uriger Holzhütten und Stallungen. Ein kleines Idyll in den Bergen und Paradies für die ganze Familie. Hier tummeln sich neben Skitour-Gehern auch Langläufer, Rodler oder Familien mit Kindern, die eine Pferdeschlittenfahrt unternehmen.

gnadenalm
Ausblick vom Parkplatz der Gnadenalm
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Wirklich sehr idyllisch gelegen diese Gnadenalm

Bevor es losging, haben meine beiden Begleiter noch eine kurze Lawinensuch-Übung gemacht. Es schadet wirklich nie, das immer wieder zu üben, damit man in einer Notfallsituation schnell handeln kann. Ich hab das Ganze dokumentiert und fotografiert.

Nachdem das versteckte Päckchen gefunden war und ich noch einmal zurück zum Auto stürzte, weil ich meinen Skihelm vergessen hatte, ging es endlich los.
Der Beginn der Tour ist sehr flach. Man muss erst mal rund um einen Berg „langlaufen“. Der Hinweg gestaltet sich aufgrund der Felle noch angenehm und gleicht einem gemütlichen Spaziergang. Die Rückfahrt ist eine Spur anstrengender, doch dazu später.

Es ginge bis zur Südwienerhütte eine Fortstraße hinauf, der man folgen könnte. Wir sind jedoch einer anderen Aufstiegsspur querfeldein gefolgt. Ein bisschen „Nervenkitzel“ darf schon sein.  Hier hat man weiter oben dann schon gemerkt, wie vereist die Spur ist. Die ersten Rutscher waren bereits zu verzeichnen. Trotz allem ging es noch relativ gut bis zur Südwienerhütte. Ich war zwar wie immer die Langsamste, aber es wurde Rücksicht genommen und ich hatte keinen Grund mich zu beschweren. Ich konnte wie die anderen die Tour genießen. Zumindest bis auf das kurze, schattige und somit kalte Stück in der Mitte.

 

Bei der Südwienerhütte angekommen, haben wir beschlossen, vor dem Gipfelsturm einzukehren, weil wir nicht sicher waren, ob wir danach noch einmal vorbei kommen. Ich war schon ein wenig froh darüber, weil ich natürlich schon wieder fix und foxi war.

Hütteneinkehr

Auszug aus Wikipedia: Die Südwiener Hütte ist eine auf 1.802 Metern Höhe gelegene Alpenvereinshütte, die in den Radstädter Tauern liegt. Sie ist nach der Ortsgruppe Südwien (heute: Südwien-Mürzer-Oberland) des Österreichischen Gebirgsvereins (ÖGV) benannt, von der die Hütte im Jahr 1927 – 1928 errichtet worden war.

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Preislich liegt die Hütte im oberen Mittelfeld, aber für Obertauern ist es noch erträglich.
An diesem sonnigen Samstag war die Hütte sehr gut besucht. Sie liegt auf einer ideal sonnigen Anhöhe mit einer perfekt ausgerichteten Terrasse.
Dort saßen die Tourengeher aufgereiht wie Sardellen in der Dose, einer neben dem anderen und ließen sich von der Sonne die Vitamin D-Speicher aufladen. In so einem Moment ist das Leben perfekt. Wo man hinsieht, ragen die Berggipfel empor, die Sonne blinzelt einem ins Gesicht, die Leute sind freundlich und das wohlverdiente Getränk schmeckt hervorragend.

Die Nudelsuppe war ebenfalls ausgezeichnet.

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Der Gipfel

Da wir nicht ohne Gipfel nach Hause kommen wollten, haben wir nach der Hütteneinkehr den Weg Richtung eben solchem genommen.

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Der Hang war schon ziemlich abgetragen und zerfahren, die Spur war glatt und eisig. Ich bin meine neuen Ski inkl. Felle noch nicht gewohnt und bin wirklich ständig abgerutscht. Konditionell wäre es noch relativ gut gegangen, aber die Rutscherei hat mich sehr viel Kraft gekostet. Später zuhause habe ich etwas recherchiert und herausgefunden, dass meine Fellmarke nicht die Beste im Aufstieg (zumindest was diese Bedingungen betrifft) ist… Ich HOFFE, dass es daran liegt und ich das mit einem neuen Fell ausmerzen kann. Es gibt nichts Lästigeres als andauernd abzurutschen. Zum ersten Mal seit Jahren hörte man mich bei einer Tour fluchen. „F*** you, ey!“

Aber das Panorama war traumhaft.

 

 

Wie dem auch sei… irgendwann war auch ich endlich am Gipfel und wurde mit einem guten Zirbn empfangen. Top!

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Spirzinger-Gipfel auf 2066m
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Das obligatorische Gipfel-Selfie

Die Abfahrt

Nach kurzer Gipfelrast (es wurde schon spät) haben wir uns alsbald wieder auf den Weg nach unten gemacht. Die Abfahrt klappte wesentlich besser als erwartet. Es war zwar etwas zerfahren, aber man blieb nicht im Schnee hängen, höchstens in den Latschen. Aber die riechen wenigstens gut.

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Haltungsnote 1 im Latschen-Slalom *haha*

Wir wählten die Abfahrtsroute rund um den Aufstiegsweg. Links und rechts davon befanden sich genügend Wiesen. Die Forststraße erschien uns zu langweilig zum Abfahren. Mit viel Neuschnee wäre das bestimmt eine traumhafte Abfahrt. So war’s eher naja. Aber wie gesagt: es ging besser als erwartet.

Unten angekommen stand uns noch das lange Tal bevor, durch das wir hergekommen waren. Trotz Schussfahrt und antauchen, haben wir uns zurückkämpfen und all‘ unsere Langlauffähigkeiten auspacken müssen. Gar nicht mehr so leicht, wenn man von Aufstieg und Abfahrt schon etwas K.O. ist. Als erstes kam unser männlicher Begleiter beim Auto an, danach wir 2 Mädels ziemlich zeitgleich. Und alle waren wir glücklich über diese nette Tour und vor allem wie vielfältig sie war.

Resümee

Auch wenn ihr niemanden kennt, der euer Hobby teilt und ihr nicht mobil seid… gebt die Hoffnung nicht auf. Tretet Facebook-Gruppen oder anderen spezifischen Internetforen bei. Seid nicht schüchtern und verabredet euch. Die meisten Bergler sind wunderbar nette und rücksichtsvolle Menschen (schwarze Schafe gibt es überall).

Manchmal werden regelmäßige Tourenpartner oder gar Freundschaften daraus, manchmal bleibt es bei einer Tagestour. Aber das ist im Grunde völlig egal. Man kommt raus, man kommt unter Leute, in die Natur, auf die Berge, statt auf die Couch!

Ich schäme mich teilweise in Grund und Boden, wie lahm ich bin und wie sehr meine Skifahr-Künste eingerostet sind, aber dennoch werde ich mich weiterhin überwinden solche Touren zu machen, denn wie soll es jemals wieder besser werden, wenn man nicht von der Couch hoch kommt.
Ich gehöre halt zu den Menschen, die sehr streng mit sich sind und dann sofort in ein tiefes Loch fallen, wenn mal etwas nicht so klappt, wie man es gerne hätte. Ich träume von einem schlanken, fitten Bergsportler-Leben, das so weit entfernt liegt wie Australien von Salzburg. Mindestens!
Ich habe ja versprochen, dass hier im Blog auch persönliche Gedanken einen Platz finden werden. Und das war nun ein sehr persönlicher davon…

Wer mich und meine Geschichte weiterhin brav verfolgt, wird erfahren, wie es mit mir weitergeht und ob ich diesmal erneut aufgebe und in mein Loch falle, wie schon so oft oder ob ich weitermache… mit dem Berg gehen, dem Blog, generell mit der Richtung, in die ich gerade steuere.

Motivation und Zuspruch wird gerne angenommen!

Bis bald!
Eure Romana

 

4 Gedanken zu „[Skitour] Spirzinger 2066 m“

    1. Wow, vielen Dank für das nette und motivierende Kommentar! Also Neu-Blogger ist so ein Feedback ganz besonders wichtig… die bösen „Ich schmeiss alles hin“ und „liest ja eh kein Mensch“-Gedanken kreisen in diesem Stadium wie die Geier überm Kopf.
      Find deinen (euren) Blog aber auch nicht übel. Glaub da bin ich schon irgendwann mal drüber gestolpert. Richtig professionell!

      Also danke nochmal und ganz
      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

      1. Danke 😊
        Eigentlich sind wir auch noch Neulinge, uns gibt es noch kein Jahr😅

        Freu mich auf jeden Fall auf viele weitere interessante Beiträge von dir 😁👍

        Gefällt mir

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