Tipps und Tricks

[Tipps und Tricks] Skitouren-Einsteigertipps: Teil 1 – Tourenski & Schuhe

Ich hab bei meinem ersten Tourenbericht vom Wieserhörndl schon ein paar simple Einsteigertipps zum Thema „Skitouren“ aufgelistet.
Skitour – Wieserhörndl + Einsteigertipps

Zum immer wieder Nachsehen (muss ich selbst vor jeder Tour) eignet sich jedoch ein eigener Eintrag zu dem Thema besser. Noch dazu gibt es viel mehr dazu zu sagen, als nur die richtige Kleiderwahl.

Daher hier nun meine Skitouren-Einsteigertipps in gesammelter Form:

Die Wahl der richtigen Tourenski

tourenski

Wer sich bereits mit dem Thema „Skitouren gehen“ auseinander gesetzt hat und sich ein wenig nach Ausrüstung umgesehen hat, wird bald resigniert feststellen, dass Tourenski bzw. die komplette Tourenausrüstung nicht ganz günstig sind. Ich hatte, als ich vor ca. 7 Jahren angefangen habe, wahnsinniges Glück, weil ich meine Ausrüstung von meinem Onkel geschenkt bekam. Wäre er nicht gewesen, hätte ich wahrscheinlich nie mit diesem tollen Sport angefangen.

Daher meine Empfehlung: Seht euch in Gebrauchtbörsen um z.B. eine meiner Lieblingsseiten: http://www.willhaben.at, in diversen Facebook-Gruppen (Bergsportbörse, u.a.) oder Kleinanzeigen in der Zeitung. Genügend Leute probieren den neuen Trendsport „Skitour gehen“ aus und kommen nach ein, zwei Saisonen (oder gar schon ein, zwei Touren) drauf, dass es nichts für sie ist und verkaufen das Zeug günstig. Diejenigen, die dabei bleiben kaufen sich meist nach ein paar Saisonen ein neues Skitouren-Set und verkaufen ihr Einsteiger-Paket. Das tut es noch ganz leicht für den nächsten Einsteiger.
Der Vorteil vom Gebrauchtwaren-Kauf ist, dass man meistens ein komplettes Set aus Ski, Bindung und Fellen zu einem guten Preis erstehen kann. Im Einzelpreis schlagen die Teile ordentlich zu buche.

Ich gehe im Folgenden absichtlich nicht auf die unterschiedlichen Marken ein, denn es gibt Ski-Modelle wie Sand am Meer und die Tipps sollen auf Einsteiger-Niveau bleiben. Wer diesen Sport für sich entdeckt, entwickelt im Lauf der Zeit eh seine eigenen Vorlieben.

Worauf muss man beim Skikauf achten?

Die Länge:

Es gibt hier keine pauschale Formel aber grundsätzlich sei gesagt: Der Ski sollte dir mindestens bis zum Kinn reichen und höchstens gleich groß sein wie du. Ein Beispiel für einen guten Allrounder wäre die eigene Körpergröße minus 10 cm. Ich fahre bei einer Körpergröße von 1,66m einen Ski mit 1,55m.

Vorallem als Anfänger ist es ratsam zu kürzeren Skiern zu greifen. Das Handling und Gewicht beim Raufgehen ist wesentlich einfacher und auch bei der Abfahrt sind kurze Ski in der Regel leichter zu bändigen.

Die Abfahrtsfanatiker und Pulver only-Fahrer sollten besser zu einem längeren, breiteren Ski greifen. Dieser verfügt über eine breitere Auflägefläche im Schnee und man gleitet somit besser über die Wattebäuschchen. Dabei gilt es zu Bedenken, dass sich ein längerer Ski beim Aufstieg deutlich bemerkbar macht und man über die nötige Kondition und Muskelkraft verfügt dieses Zusatzgewicht hochzuschleppen.

Die Breite:

Hier gilt es zwischen aufstiegs- und abfahrtorientierten Skiern zu unterscheiden. Wer gerne und regelmäßig längere Touren (~1000HM) gehen möchte, dem sei ein schmaler Ski bis ca. 83mm Breite unter der Bindung empfohlen.
Ein guter Allround-Ski mit dem man sowohl Aufstieg wie auch Abfahrt gleichermaßen genießen kann ist ca. 84-90 mm breit. Alles über 90 mm Breite zählt zu den abfahrtsorientierten Skiern und eignet sich ideal für kurze Anstiege und Freeride-Abfahrten.

Dazu kommt das eigene Körpergewicht: Je schwerer man ist, desto breiter sollte der Ski sein, um im Gelände genügend Auftrieb zu haben.

Persönliche Empfehlung für Einsteiger:
Ein Allround-Ski mit höchstens ~1300g Gewicht pro Ski, Länge = Körpergröße minus 10cm.

Die Bindung

Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Arten von Bindungen.
Die Pin-Bindung (oder auch Tech-Bindung) und die Rahmenbindung.

Die Pin-Bindung

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Der vordere und der hintere Teil dieser Bindung ist, anders wie bei einer Alpinski-Bindung nicht miteinander verbunden.
Diese Art der Bindung erfordert den passenden Schuh, da die sogenannten „Pins“ direkt im Schuh einrasten.

Vorteile:

  • Gewicht (sehr leicht)
  • direkte Kraftübertragung auf den Ski
  • Schnelles Umstellen von „Walk“ auf „Ski“

Nachteile:

  • nicht mit normalen Skischuhen kombinierbar
  • teuer (350€ aufwärts)
  • manche Bindungen ohne Stopper (Möglichkeit von Fangriemen)

Die Rahmen-Bindung

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Hier sind Vorder- und Hinterbacken miteinander verbunden. Für den „Gehmodus“ wird ein Hebel umgelegt, damit der gesamte Steg gehoben werden kann. Zum Abfahren wird dieser dann fixiert.

Vorteile:

  • mit normalen Skischuhen benutzbar (nicht ratsam, aber gerade zum Ausprobieren durchaus möglich, ich bin 5 Jahre lang mit Alpinski-Schuhen gegangen)
  • robust
  • meist günstiger als Pin-Bindungen
  • Stopper möglich

Nachteile:

  • Gewicht
  • Kraftübertragung auf die Kanten etwas geringer aufgrund der höheren Position in der Bindung (im Tiefschnee allerdings kein Problem)

Harscheisen

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Passend zur Bindung gibt es die Harscheisen. Diese bestehen aus leichtem Stahl oder Aluminium und können in die Bindung eingesetzt werden. Dies ist nötig bei steilen, vereisten oder verharschten Passagen, wenn die Felle nicht mehr ausreichen.

In meiner gesamten Skitour-Karriere habe ich bis jetzt noch nie welche benötigt… aber wer weiß, was noch kommt. Wenn man sich welche anschafft, sollten diese jedoch auf die Bindung abgestimmt sein.

Nachtrag: Doch… letzten Samstag war es soweit… da hätte ich sie gut gebrauchen können und natürlich unten im Auto gelassen.

Die Felle

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Als Anfänger sollte man sich die Felle auf jeden Fall vom Fachgeschäft anfertigen lassen. Es ist wichtig, dass die Länge, Breite und Befestigungsmöglichkeit perfekt an den Ski angepasst ist.

Beim Gebrauchtski-Kauf unbedingt darauf achten, dass die passenden Felle dabei sind, sonst wird das eine wilde Rennerei in das nächste Sportgeschäft.
Bis zu einem gewissen Grad kann man gebrauchte Felle auch restaurieren mit einem neuen Kleber. Diesen gibt es in jedem gut sortierten Sportgeschäft zu kaufen.

Beim Kauf von neuen Ski daran denken, gleich die passenden Felle dazu zu kaufen (ideal für Anfänger ist der Kauf eines kompletten Ski-Sets und meist ist das auch günstiger)

Für Fortgeschrittene (!) gäbe es Zuschneidfelle zu kaufen. Dafür sollte man sich aber schon etwas in die Materie eingelesen haben, ansonsten ärgert man sich vielleicht wenn sie dann nicht passen.

Die Skistecken

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Man möge es nicht glauben, aber es gibt eine ordentliche Auswahl an Stöcken für jeden Anwendungsbereich. Für Skitouren eignen sich am besten längenverstellbare Teleskopstöcke mit erweitertem Griff und Winter-Tellern, um sich perfekt ans Gelände anpassen zu können.

Die Tourenskischuhe

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Die wichtigsten Eigenschaften von speziellen Tourenskischuhen im Vergleich zu Alpinskischuhen sind:

  • Wesentlich weniger Gewicht
  • Umstellung zwischen Walk- und Ski-Modus
  • Mehr Bewegungsfreiheit
  • Griffige Sohle

Je nach Bindung muss der passende Schuh gewählt werden.
Bei Pin-Bindungen passen nur Schuhe die eine Einrast-Vorrichtung besitzen.

Der Schuh sollte absolut perfekt sitzen. Wenn er bereits beim Anprobieren minimal drückt: Vergesst es! Selbst wenn die Farbe oder Form noch so schön ist. Es gibt nichts ätzenderes als ein drückender Schuh. Davon kann wohl jeder Tourengeher ein Lied singen. Oder wer ist wirklich noch nie mit Blasen an den Füßen heimgekehrt?

Man kann sich die Schuhe im Fachgeschäft durch z.B. Aufschäumen anpassen lassen.

Grundsätzlich Richtwerte:

  • Soll der Schuh aufstiegs- oder abfahrtsorientiert sein?
  • Beim Hineinschlüpfen in die Schale ohne Innenschuh sollte hinten ein Abstand von ca. 1cm sein
  • Beim Anprobieren dicke und dünne Socken testen
  • Für die Damen mit schmalen Füßen: Es gibt bei etlichen Herstellern Lady-Varianten

 

Weitere Skitouren-Einsteigertipps gibt es hier:

Skitouren-Einsteigertipps Teil 2: Die richtige Kleidung

Skitouren-Einsteigertipps Teil 3: Die Sache mit den Lawinen

Skitouren-Einsteigertipps Teil 4: Tourenplanung + Checkliste

Skitouren-Einsteigertipps Teil 5: Die richtige Technik bei Aufstieg und Abfahrt

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