Tipps und Tricks

[Tipps und Tricks] Skitouren-Einsteigertipps: Teil 3 -Die Sache mit den Lawinen

 

Die LVS-Ausrüstung

Das LVS-Set besteht aus: Lawinen-Suchgerät (umgs: Lawinen-Pieps), Sonde, Schaufel und optional einen Lawinen-Rucksack (oder auch „ABS-Rucksack“).

lawinenausruestungsset
Lawinenausrüstungsset v.l.n.r.: Schaufel, Sonde, LVS-Gerät

Bei Pistentouren braucht man im Normalfall keine Lawinen-Ausrüstung mit sich führen. Jedes Gramm zu viel, dass man den Berg hoch schleppen muss, merkt man in den Muskeln. Bei Skitouren im freien Gelände ist ein LVS-Set jedoch unumgänglich! Leider sind diese nicht ganz billig. Ein gutes LVS-Gerät kostet minimum an die 200€. Nach oben hin gibt es keine Grenze.
Der Alpenverein bietet hierfür seinen Mitgliedern die Möglichkeit sich günstig Ausrüstungsgegenstände auszuleihen. In Salzburg Stadt befindet sich die AV-Zweigstelle in der Nonntaler Hauptstraße 86. Dort kann man jederzeit vorbeikommen und sich die Ausrüstung direkt vor Ort abholen und wenn nötig von einem geschulten Mitarbeiter erklären lassen. 
Nette Zusatzinfo: Dort befindet sich zusätzlich eine kleine Bibliothek mit allerhand interessanten Berg-Büchern, Reiseführern und Tourenkarten, die man sich ebenfalls ausleihen darf.

Optionale Ausrüstung: Erste Hilfe-Set (sehr empfohlen!), Handy, Biwaksack, Rettungsdecke

Der Lawinen-Rucksack

vaude-abscond_lawinenrucksack

Das Prinzip so eines Rucksackes besteht darin, dass man im Falle eines Lawinenabganges an einer Reißleine zieht, die einen Airbag auslöst, auf dem man dann quasi auf der Lawine treibt und nicht unter sie gedrückt wird.

Ein Lawinen-Rucksack bietet zwar keinen hunderprozentigen Schutz, erhöht die Überlebenschancen bei einem Lawinenabgang jedoch um ein Vielfaches.

Leider leider ist Sicherheit immer teuer. Diese Rucksäcke kosten mehrere hundert Euro. Da muss man für sich dann entscheiden, ob einem das so viel wert ist. Selbst gebraucht fallen die Preise nicht unter 200 €.

LVS-Kurse

Nur ein LVS-Set mitzuführen reicht selbstverständlich noch lange nicht aus. Man muss die Gerätschaften auch bedienen können. Dazu gibt es etliche Kurse und Schulungen. Am günstigsten fährt man mit Angeboten von alpinen Vereinen z.B. Alpenverein oder Naturfreunde. Dieser Kurs sollte dann regelmäßig aufgefrischt werden. Im Idealfall sogar öfter als nur 1x zu Saisonbeginn. Wer schon mal versucht hat einen Tourenpartner zu finden mit dem LVS-Gerät (ohne Lawine), weiß, wie wahnsinnig schwer das ist. Geschweigedenn wenn man eine Person unter den weißen Schneemassen orten muss.

Der Wetter- und Lawinenbericht

Vor jeder Tour muss der Wetter- und Lawinenbericht gecheckt werden!

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Für Österreich kann man unter folgendem Link nachsehen:
http://www.lawine.at/

Wen es in die Ferne treibt, der findet hier die Lawinenberichte für ganz Europa:
http://www.avalanches.org/eaws/en/main.php

Dem Wetter entsprechend ist dann die Lawinenwarnstufe zu beurteilen und sein Ziel passend zu wählen. Und wenn das bedeutet, dass das Ziel ausnahmsweise im Tal bleiben muss!!!

Lawinenwarnstufe interpretieren

Limits bei der Hangsteilheit

  • Bei mäßiger Lawinengefahr (Stufe 2): Verzicht auf extrem steile Hänge mit mehr als 39° Neigung
  • Bei erheblicher Lawinengefahr (Stufe 3): Verzicht auf steile Hänge mit mehr als 34°, kein felsdurchsetztes Steilgelände
  • Bei großer oder sehr großer Lawinengefahr (Stufe 4 und 5): Verzicht auf Touren außerhalb markierter Skipisten
  • Als relativ verlässliche Alarmzeichen für Schneebrettgefahr gelten Wumm-Geräusche und darauf folgende Fernauslösungen an benachbarten Hängen sowie spontane Auslösungen (typisch für die Stufe 3: erheblich, mindestens jedoch Stufe 4: große Lawinengefahr)

Fehler und Irrtümer

Fehler:

  • Bei Sonnenschein und klarem Himmel wird das Lawinenrisiko gerne übersehen
  • Alarmzeichen werden so interpretiert, dass das Tourenziel nicht gefährdet wird (z.B. „Die Sonne festigt die Schneedecke schon …“)
  • Mir passiert sowieso nichts und der Gipfel muss unbedingt her … „- Ehrgeiz und Sturheit verhindern den Abbruch einer Tour
  • Keine oder falsche Tourenplanung
  • Zu viele Gruppenmitglieder, keiner gibt die Kommandos
  • Falsche Zeitplanung
  • Mangelhafte oder keine Informationen zu den Lawinenverhältnissen vor Ort
  • Zu wenig Erfahrung
  • Unpassende Touren- oder Routenwahl

Irrtümer:

  • Lawinenabgänge gibt es nur während und kurz nach Neuschneefällen
  • Je höher die Gefahrenstufe, desto mehr Unfälle. Falsch. 66 % aller Lawinenunglücke passieren bei Warnstufe 3 (= erheblich), da diese am meisten unterschätzt wird.
  • Bei Kälte lösen sich keine Lawinen
  • Häufig befahrene Hänge sind lawinensicher
  • Kurze Geländestufen sind nicht gefährlich
  • Im Wald gibt es keine Lawinengefahr. Felsen und Bäume stabilisieren die Schneedecke keineswegs, auch im Wald können Schneebretter abgehen.
  • Bei geringen Schneehöhen können sich keine Lawinen bilden
  • Je mehr Schnee, desto gefährlicher. Falsch. Gerade schneearme Winter sind besonders gefährlich. Je weniger Schnee es gibt, desto größer ist der Temperaturunterschied innerhalb der Schneeschicht, desto weniger sind die Schichten miteinander verbunden. Die Folge: Einzelne Schichten „schwimmen“ und lösen sich leichter von anderen.
  • Wo schon jemand gegangen ist und sich Spuren finden, kann keine Lawine abgehen
  • „Wumm“-Geräusche deuten auf eine Setzung der Schneedecke hin

Wenn die Lawinensituation die Tour erlaubt, dann sollte man trotzdem noch den lokalen Wetterbericht ansehen, um zu wissen, ob man besser die Sonnenbrille oder 3 lange Unterhosen einpacken muss 🙂

Weitere Skitouren-Einsteigertipps gibt es hier:

Skitouren-Einsteigertipps Teil 1: Tourenski & Schuhe

Skitouren-Einsteigertipps Teil 2: Die richtige Kleidung

Skitouren-Einsteigertipps Teil 4: Tourenplanung + Checkliste

Skitouren-Einsteigertipps Teil 5: Die richtige Technik bei Aufstieg und Abfahrt

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