Bergtour, Fortgeschrittene, Skitour

[Skitour] Kampl(brunnspitze) – Gosaukamm

Eckdaten:

Art der Tour: Skitour
Ziel: Kamplbrunnspitze 2190m, wobei die Höhenmeter-Angaben witzigerweise sehr stark variieren
Talort: Annaberg-Lungötz
Startpunkt: Parkplatz Mauerreith
Dauer Aufstieg: normal ca. 2h 30m / ich 3h
Abfahrtsvarianten: wie Aufstieg oder über Sulzkaralm (Zweiteres meist lohnender, allerdings mit Gegenanstieg auf den Mahdriedel-Sattel)
Höhenmeter Aufstieg: ~1000HM
Schwierigkeit: mittel
Anreise: Auto (nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich, höchstens bis Annaberg)
Wetter: Sonne, weiter oben windig
Pistenzustand: Harsch
Einkehrmöglichkeit: Annaberg-Lungötz, direkt dort keine bewirtschaftete Hütte! Genügend Verpflegung mitnehmen!


Das war wieder so eine Spontanaktion von Tanja (T-Hörnchen) und mir. Diesmal in Begleitung ihres Freundes Martin.

„Hey, gehst am Samstag was?“ – „Ja, wir gehen Kampl, kommst mit?“ – „Ja, passt!“

Ich liebe es, wenn alles so unkompliziert ist. Man macht sich etwas aus und das passt dann auch fix. Herrlich. Danke an dieser Stelle!

Am Kampl (wie diese Tour meist genannt wird) war ich vor ca. 7 Jahren schon mal. Das war damals in meiner ersten Skitouren-Hochphase, als ich generell mit dem Skitoursport angefangen habe. Die Jahre danach bin ich dann leider nicht mehr viel dazu gekommen, unter anderem aus Mangel an Begleitung oder Mobilität. Je weniger man tut, desto weiter ist es irgendwann von einem weg und man entwickelt eben andere Hobbies.
ABER JETZT habe ich meinen zweiten Skitouren-Frühling sozusagen.

Ich hatte daher absolut nichts gegen eine Wiederholung der Kampl-Tour. Soweit ich mich erinnerte, ist diese Gegend wirklich schön und ein Besuch lohnenswert. Da sich die gesamte Tour im Gelände befindet (ohne markierte Pisten etc.), hab ich mir am Vortag trotz „nur“ Lawinenstufe 2 noch ein LVS-Set ausgeliehen. Man sollte IMMER auf Nummer sicher gehen, denn das Leben geht klar vor.

Tipp: Falls ihr niemand kennt, der sowas hat: Alpenverein bietet einen Verleih diverser Ausrüstungsgegenstände an. In Salzburg befindet sich die Zweigstelle in der Nonntaler Hauptstraße 86.
Reservierungslink: http://www.alpenverein-salzburg.at/Service/Verleih

Siehe dazu auch: Skitouren-Einsteigertipps: Teil 3 -Die Sache mit den Lawinen


Die Anreise

Diesmal hatte ich es besonders gut. Ich wurde von Zuhause abgeholt, weil wir ein bisschen eher weg wollten. Der ausgemachte Treffpunkt war festgelegt auf 8:30 Uhr. Da ich am Vortag arbeiten musste (und in meinem Job erst um ca. 23 Uhr daheim bin) war das an der Grenze des Möglichen für mich, aber zum Berg gehen steht man ja gerne auf.

Wir haben uns am nächsten Morgen nach einer kleinen Verspätung um ca. 9 Uhr – kurz nach 9 in Richtung Annaberg aufgemacht, auf den Weg zum Kampl, der eigentlich Kamplbrunnspitze heißt.

Die Anreise funktioniert in diesem Fall am Besten mit dem Auto. Man sollte diese Tour sowieso nicht alleine gehen, also wenn ihr, wie ich, kein Auto habt, dann sucht euch im Idealfall eine Mitfahrgelegenheit. Das gilt generell für längere Geländetouren, die sollte man nicht unbedingt alleine machen, schon gar nicht als Anfänger.

Notfalls könnte man bestimmt mit den Öffis nach Annaberg-Lungötz und von dort aus mit dem Taxi weiter. Ist aber wahrscheinlich dann besser am Vorabend hinzufahren und dort im Ort zu übernachten. Dann ist man frühmorgens startbereit. Bei ausreichender Schneelage und Kondition kann man diese Tour auch direkt in Annaberg starten.

Mit dem Auto fährt man direkt bis zum Parkplatz Mauerreith. Dort geht dann auch schon die nicht zu übersehende Aufstiegsspur los. Auf dem Weg hin, springt einem schon das wunderschöne Panorama ins Gesicht mit der hochragenden Bischofsmütze und dem Gosaukamm. Ich wollte am liebsten aus dem Auto springen und sofort los laufen.

Follow this link: Hier könnt‘ ihr euch in meine Lage versetzen und das Panorama auch genießen


Der Aufstieg

Zuerst ein kleines Stück die Forststraße entlang bis zur Mahdalm (nicht bewirtschaftet). Danach über die Wiesen weiter. Diese Tour gehört zu den stärker frequentierten und somit ist die Spurfindung sehr einfach. Man kann gemütlich und stressfrei der schon vorhandenen Aufstiegsspur folgen.

Mehr gestresst hat uns das Wetter. Im Wald war es noch relativ kühl. Dann kam bei den Wiesen die Sonne raus und wir haben voller Freude die Jacken ausgezogen… doch nur ein paar Meter weiter, konnte man den starken Wind spüren, der uns noch einige Male an diesem Tag begegenen sollte. Es folgten zwar die nächsten Meter darauf wieder Sonnenstrahlen, aber nicht lange. Nach kurzem Hin und Her, wurden die Jacken doch wieder ausgepackt. Bei einem Holzunterstand fanden wir Windschutz und legten eine kurze Rast ein.

Müsliriegel wurden gefuttert, Wasser getrunken, Halstücher angelegt und die Jacken wieder angezogen. Es war richtig kalt und ungemütlich im Wind.

Frisch gestärkt ging es weiter. Wir waren uns zum Glück alle einig, dass Aufgeben keine Option ist. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Es war zwar etwas mühsam gegen den Wind anzugehen, aber wir machten ein Spiel daraus und haben uns eingeredet, wir würden auf einen 8000er gehen. Auch wenn das vielleicht lächerlich klingen mag, aber es hilft wahrlich.

Und nicht zu vergessen: Das Panorama ist wirklich jeden einzelnen Schritt wert. Wahnsinn. Wenn der Wind nicht so kalt gewesen wäre, dann wär mir bestimmt die ganze Tour der Mund offen stehen geblieben.

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Die Bischofsmütze immer im Blick

Das letzte Stück vorm Gipfel empfand ich irgendwie als lustig. Ich hab mich falsch erinnert und mir gedacht, dass man direkt zum Fuß der Bischofsmütze muss, quasi zum Anfassen nahe. Dabei ist das Kampl eine Spur weiter rechts davon. Da geht man nichtsahnend über die letzte Anhöhe und „schwupps“ ist der Gipfelgrat schon in greifbarer Nähe. Das war echt wiedermal so ein „Ach, eh schon da!“– Moment. (stimmt nicht ganz bei 3h Aufstieg, aber ihr wisst schon was ich meine)

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Der Gipfel ist in greifbarer Nähe

Das letzte Stück auf den Sattel war aber noch eine kleine Challenge, weil eben der Wind, der Wind, das himmlische Kind, der hat ordentlich Gas gegeben. Aber dank dem 8000er Spielchen war das n Klacks für uns.

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Und so sieht das dann aus, wenn man 8000er spielt



Der Gipfel

Der eigentliche Zielpunkt ist der kleine Sattel links vom Gipfel, aber was wäre denn diese Tour ohne den Nervenkitzel noch zum Gipfelkreuz zu kraxeln? Natürlich wollten wir uns das nicht nehmen lassen.

Und so standen wir dann kurz darauf zu dritt am schmalen Gipfelfelsen.

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Leider war dort oben kein angenehmer Unterschlupf zu finden und daher mussten wir aufgrund des starken Windes bald wieder aufbrechen. Nicht einmal die sonst so lästigen Dohlen haben um Futter gebettelt. Eigentlich wollte ich mir noch die weiter unten rastenden Gämsen näher anguggen, aber im Aufbruchsstress hab ich nicht mehr daran gedacht. Egal, das waren bestimmt nicht meine letzten Gämsen.


Die Abfahrt – Teil 1

Wir haben die Variante über die Sulzkaralm gewählt, weil’s einfach der schönere Hang ist. Und bei diesem Schnee (Bruchharsch) waren wir schon froh überhaupt irgendwie runter zu kommen. Nach den ersten paar Metern war schon klar, dass zumindest der obere Teil kein Zuckerschlecken wird.

Der Bruchh(ARSCH) machte seinem Namen wirklich alle Ehre und wir landeten des Öfteren auf eben selbigen. Manche mehr, manche weniger. Ich hab einen besonders lustigen Stunt hingelegt, weil ich plötzlich zwei Meter weiter mit nur mehr einem Ski da stand. Der ist einfach im Schnee stecken geblieben. Ich sollte meine Bindungseinstellungen nochmal kontrollieren. Die sind eindeutig nicht auf harschiges Gelände ausgelegt.

Je weiter man nach unten kam, desto besser wurde es aber. Und dazwischen war ja noch das Stück mit dem Gegenanstieg…

Der Gegenanstieg auf den Mahdriedel-Sattel

Nach dem langen Weg hinauf und die anstrengende Abfahrt durch den Harsch dann nochmal anfellen müssen, ist echt hart, zumindest aus psychologischer Sicht. Aber ich muss sagen: Soooo schlecht ging es mir gar nicht dabei. Ich fühle mich gegen Ende von Touren meist noch relativ fit, weil ich meine Kraftreserven so lange aufhebe. Ich gehe eigentlich nie auf Vollgas, vor allem nicht wenn ich eine Tour nicht gut kenne und einschätzen kann. Ich bin trotzdem ein wenig zurück gefallen, weil ich viele Fotopausen mache. So ist das eben, wenn man einen Blog betreibt. Leider kamen vom Gegenanstieg nur verschwommene Bilder raus, die Witterungsbedingungen haben eben auch noch ein Wörtchen mitzureden. Aber falls ihr die Route nachgehen wollt, ist die Wegfindung nicht wirklich schwer. Wie weiter oben bereits erwähnt, ist das Kampl eine relativ stark frequentierte Route.

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Beim zweiten Abfellen noch ein letzter Blick zurück

Die Abfahrt – Teil 2

Der letzte Teil der Abfahrt war von den Bedingungen her echt okay. Der Schnee war fahrbar und die Hangneigung angenehm. Der untere Teil der Abfahrt lag nicht so exponiert wie die Stellen weiter oben und war somit besser gegen Wind und Wetter geschützt.

Das letzte Stück, die Forststraße, war dann nochmal minimal unangenehm, da die Spur schon sehr zerfahren war und sich typische Rinnen und Hügel bildeten. Wir sind  gemütlich und ohne uns zu stressen abgefahren. Trotzdem waren wir alle froh, heil beim Auto angekommen zu sein.

Diese Tour ist wirklich wunderschön und relativ schneesicher, da man erst von 1100m weg geht. Allerdings ist sie nicht für absolute Anfänger geeignet, da sollte man davor schon ein paar Übungs-Höhenmeter gegangen sein.
Ich werde jedenfalls noch einige Zeit von diesen wunderbaren Eindrücken zehren und bin sehr froh, euch teilhaben lassen zu können.

Bis bald!

Eure Romana.

4 thoughts on “[Skitour] Kampl(brunnspitze) – Gosaukamm”

    1. Hehe danke 🙂 Kann die Tour wirklich sehr empfehlen. Vielleicht nicht grad im Bruchharsch 😛 aber sonst top!
      Oh man ja… das Problem mit der To Do Liste… aber passt schon so. Was wäre das Leben ohne die Vorfreude auf weitere wunderschöne Touren ❤

      Gefällt 1 Person

    1. Neues Design… ja stimmt. Dem Blogger-Urgestein entgeht wohl gar nichts 😉 Bin ja noch blutiger Anfänger und muss mich da erst einarbeiten, was so am Besten passt. Aber glaub fürs Erste bin ich damit zufrieden jetzt. Muss noch viiiiel lernen 🙂

      Oh ja die neuen Ski mussten sein. Also neue Gebrauchte. Weil was hätte denn das Leben für einen Sinn ohne Skitour gehen? In diesem Sinne: Berg Heil und ich bin dann mal weg!

      Lg Romana

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