Gedanken

[Gedanken] Die Berge, die Arbeit und noch ein bisschen „mehr“…

Ein ganz großes Thema, das uns alle beschäftigt, natürlich auch mich, ist die Art wie man sich seinen Lebensunterhalt verdient. Wie wir alle wissen, geht es im Leben leider nicht ohne Arbeit. Ok, vielleicht geht es schon, aber dann wird das Leben halt ein bisschen eingeschränkter, wenn man sich nichts mehr leisten kann. Oder?

Ich bin nun mit meinen 30 Lenzen in einer Phase des Lebens angekommen, in der ich mich frage, ob das was ich zur Zeit mache wirklich das ist, was ich bis ans Ende meiner Tage machen möchte oder ob es da eventuell noch „mehr“ gibt?
Noch mehr? Was meine ich damit?

Wir Menschen streben ständig nach dem „mehr“, aber warum eigentlich? Und was bedeutet das genau? Wollen wir mehr Geld? Mehr Macht? Mehr Anerkennung? Oder alles zusammen? Und warum brauchen wir das? Was in uns sagt uns, dass wir dieses „mehr“ brauchen? Zählt man als antriebslos und faul, wenn man nicht danach strebt oder ist man dann einfach nur zufrieden?

Ich muss bei diesem Thema oft an den Song von Yvonne Catterfeld denken „Irgendwas“… Mir ist dieser Song sofort aufgrund seines Textes ins Ohr gegangen.

Link zum Song (Youtube): Yvonne Catterfeld feat. Bengio – Irgendwas

Ein Auszug daraus:

Suchen überall, finden scheinbar nichts
Was uns halten kann, was uns das verspricht
Was wir wirklich woll’n, wonach wir alle suchen
Kriegen nie genug, denn wir woll’n immer mehr

Können uns erklär’n, wieso die Erde dreht
Schauen im Weltall nach, uns reicht nicht ein Planet
Bauen Denkmäler, wir wär’n gern für immer jung
Sammeln Fotos, aber uns fehlt die Erinnerung
Verkaufen uns für dumm und machen Geld daraus
Erfinden jedes Jahr was Neues, was die Welt nicht braucht
Denn es geht immer noch ein bisschen mehr
Auch wenn keiner mehr den Sinn erklärt

Sind auf der Suche nach irgendwas
Sind auf der Suche nach etwas mehr
Sind auf der Suche nach irgendwas
Nur was es ist, kann keiner erklär’n
Hauptsache, ein bisschen mehr
Sind auf der Suche nach irgendwas
Sind auf der Suche nach etwas mehr
Sind auf der Suche nach irgendwas
Nur was es ist, kann keiner erklär’n
Hauptsache, ein bisschen mehr

dream

Dieses „mehr“ zieht sich durch unser gesamtes Leben. Nicht nur in der Arbeit wollen wir mehr, viele wollen auch am Berg immer mehr mehr mehr mehr… höher, weiter, gefährlicher, schwieriger, hauptsache „mehr“!

Da trennt sich dann die Spreu vom Weizen. Diejenigen, für die, die Berg-Geherei immer ein Hobby bleibt, die zufrieden sind, auf einem Gipfel zu stehen und hinab zu schauen. Und die, die immer höher hinaus wollen, bis es letztendlich nicht mehr höher geht.

Aber Vorsicht: Wer hoch hinaus will, der kann ebenso tief fallen!

Ich bin zur Zeit in einer Phase, in der ich nicht wirklich weiß, was ich will. Das ist wieder so ein verdammter Aspekt der blöden 30er-Krise. Ein Vorteil (und möglicherweise manchmal ein Nachteil) beim Touren gehen ist, dass man echt extrem viel Zeit zum Nachdenken und Senieren hat. Vor allem wenn man so langsam ist wie ich und meist allein herum irrt. Okay, ich gebe zu… das ist einer der Gründe, warum ich eigentlich gerne am Berg bin, Zeit für sich zu haben, zu sich selbst zu finden, dem Unterbewusstsein eine Stimme zu geben. Aber derzeit sagt mir das oft nichts so Erfreuliches. Ich bewege mich zwar vorwärts (im Leben), aber ohne konkrete Richtung. Ich lasse mich einfach treiben und das kann nicht wirklich alles gewesen sein.

Natürlich gibt es bezüglich solcher Gedanken bessere und schlechtere Tage. Wichtig ist, dass man sich, wenn sich eine Tiefphase ankündigt, nicht aufgibt. Angefangenes nicht hinschmeisst (eines meiner großen Hauptprobleme). Ich hab schon so viel hingeschmissen, beispielsweise gute Jobs, Freundschaften, die Uni, Beziehungen… es wird ein für alle mal Zeit, damit aufzuhören!

bleckwand

Es gibt leider keine pauschale Formel dagegen anzusteuern. Jeder muss für sich selbst heraus finden, was einem gut tut. Mir tut Feedback z.B. extrem gut. Egal ob positiv oder negativ, aber das bedeutet, dass sich die Menschen mit einem beschäftigen. Dass sie sich dafür interessieren, was man macht, dass man ihnen wichtig ist. Natürlich sollte man sein Befinden nicht gänzlich von anderen abhängig machen, aber es hilft zumindest.

Dieser Blog ist ebenso ein gefährdetes Projekt: Jedes Mal, wenn die Klicks ausbleiben, will ich am Liebsten die Seite einstampfen. „Sch**** drauf!“ Es interessiert doch eh niemanden. Ich werde damit nie Erfolg haben, ich schreibe immer nur für mich, da kann ich auch ein Tagebuch anfangen. Will ich damit überhaupt Erfolg haben? Wozu teile ich meine Gedanken, meine Touren, meine Erlebnisse und Erfahrungen? Keine Sorge, ich habe defintiv nicht vor, dass es so endet. Ich habe euch nur von Anfang an versprochen meine Hoch- wie auch die Tiefphasen zu beleuchten. Eventuell erkennt ihr euch wieder, fühlt euch weniger allein mit euren Gedanken. Es kann wirklich jedem so ergehen. Wichtig ist nur, dass man wieder aufsteht, weiter macht und nicht bei jedem Gegenwind sofort aufgibt!

Und bevor ich wegen Themenverfehlung angeklagt werde, back to work: Eben diese sollte sich auch mit den ganzen Hobbies und freiwilligen Arbeiten wie z.B. Bloggen vertragen. Ich bin heilfroh recht flexible Arbeitszeiten zu haben. Ich muss mir die Berge nicht am Wochenende mit Hunderten anderen teilen, sondern gehe mit Vorliebe unter der Woche auf Tour. Ich hab durch meine Arbeit aber auch nicht mehr Freizeit als andere, nur eben an anderen Tagen. Ich gehe seit Anfang Dezember rund 2 x die Woche auf einen Berg, entweder zu Fuß, mit den Skiern oder in Form eines Klettersteiges.
Ich arbeite, wie ihr vielleicht schon wisst, wenn ihr meinen Einleitungsartikel „Aufbruchsstimmung“ gelesen habt, im Dienstleistungsbereich. Es gibt zwar ruhige Tage, aber meistens ist es der reinste psychische Stress. Die Leute fragen 100 mal am Tag das selbe, ständig will jemand etwas von dir, man träumt vom Klingelton des Reservierungstelefons. Mit der Zeit keimt eine gewissen Abneigung gegen Menschen in einem auf. Nehmt’s nicht persönlich, das ist in der Branche ganz normal 😉

Umso schöner und wichtiger ist es von eben diesen weg zu kommen. Am Berg gibt es zwar leider immer mehr „Mode-Berggeher“, vor allem bei Skitouren fällt mir das extrem auf, aber es ist doch bei Weitem erträglicher als im Tal. Und wenn man oft genug geht, dann hat man auch immer wieder mal einen Gipfel nur für sich alleine, falls man darauf Wert legt.

schober
Des Schobers einsamer Gipfel, ein sehr seltener Anblick

Mit dieser romantisch verklärten Vorstellung schließe ich nun meinen Exkurs in mein Innerstes. Gedanklich stehe ich regelmäßig auf diesem einsamen Gipfel. Es hilft durchzuatmen und sich wieder zu „verwurzeln“.

Ich wünsche euch ganz viele Hochs und ganz wenige Tiefs, aber selbst wenn euch Zweiteres ereilt, ist das kein Weltuntergang.

Liebe Grüße und bis bald!

Eure Romana.

barmstein
Meine ehemaligen Hausberge, die Barmsteine.

 

 

 

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