Gedanken, Special Events

Ohne Geld bis ans Ende der Welt – Ein Selbstversuch von Michael Wigge

Ohne Geld bis ans Ende der Welt – das klingt doch super! Der Traum von Freiheit und Abenteuer schlummert wahrscheinlich so ein bisschen in jedem von uns. Und was wäre abenteuerlicher als der Versuch bis zur Antarktis zu reisen ohne einen Cent in der Tasche? Aber wie ist so etwas möglich? Michael Wigge, Reisejournalist, Autor und Entertainer macht es vor. Im Sommer 2010 unternahm er den Selbstversuch von Berlin in die Antarktis zu reisen und das ganz OHNE GELD.

Nun, wie kommt man überhaupt auf diese verrückte Idee ohne Geld soweit zu reisen? Es war nicht die klassische Variante, wie man im ersten Moment vermuten würde, dass es sich hierbei um einen arbeitslosen Aussteiger oder flügge werdenden Jungspund handelt. Nein! Das Projekt entstand zwar so ein bisschen aus der Not heraus, jedoch steckt akribische Planung hinter diesem speziellen Vorhaben, ansonsten wäre es in dieser Form wohl nicht möglich gewesen.

Von der Idee bis zur letztendlichen Umsetzung dauerte die Planung für dieses Unterfangen ca. 1 Jahr. Eines war Michael Wigge besonders wichtig: Er wollte keineswegs irgendwo oder bei irgendjemanden um etwas betteln und musste sich daher im Vorfeld einige Gedanken machen und sich gut auf diese  Reise vorbereiten. Ihm war es sehr wichtig, dass ihn nach jeder Ankunft in einer fremden Stadt jemand abholen konnte (beispielsweise ausgewanderte Freunde, bei denen er unterkam oder Couchsurfing-Gastgeber). So stand er nie wirklich ohne Starthilfe in einer fremden Umgebung.

Seine Absicherung, falls das Unternehmen scheitern sollte, waren ein Handy und eine Auslandsversicherung.

Weiters hatte er fünf Gegenstände dabei, die ihm auf seiner Reise helfen sollten. Darunter befand sich zum einen ein Butler-Kostüm, mit dem er z.B. für den deutschen Botschafter in Panama auf einer Gartenparty kellnern durfte und sich damit seine Weiterreise verdiente. Zum anderen fanden sich unter den Gegenständen ein Laptop für Internetrecherchen und Couchsurfing-Anfragen.

Mit zwei Kissen versuchte er sich als human sofa in Las Vegas für überanstrengte Touristen und veranstaltete in San Franciso Kissenschlachten an der Straße und verdiente sich damit das Flugticket nach Südamerika. Zweiteres hatte sich als wahre Marktlücke heraus gestellt…

744224-travel-the-world-for-free
Human Sofa für einen Dollar (Foto: Michael Wigge)

Der letzte Gegenstand war eine Krümmelmonster-Handpuppe. Erstaunlich wie anders die Leute reagieren, wenn nicht ein Mensch, sondern eine Handpuppe mit ihnen spricht. Die brachte ihn sogar kostenlos ins Fussball-Stadion.

no-money-37
Das Krümelmonster mit seiner Beute (Foto: Michael Wigge)

Aber zurück zum Anfang: Der Start ging relativ einfach von statten. Das erste Ziel war die Stadt Köln, per Anhalter ein leichtes Unterfangen. Dort hatte Michael Wigge im Vorfeld gegooglet nach Peter.

Peter ist Freeganer und geht regelmäßig Containern (oder auch Dumpstern, Dumpster Diving) bei Supermärkten. Ich finde das besonders erwähnenswert, weil ich das selbst schon des Öfteren gemacht habe und es wirklich unglaublich ist, wieviele, noch genießbare Lebensmittel weg geschmissen werden. Da landet tonnenweise Essen im Müll, wovon mehrere Haushalte locker eine Woche oder gar ein Monat leben könnten. Einziger Nachteil bei dieser Methode: Man muss eben nehmen was man kriegt. Aber wie heißt es so schön: Einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul.

freeganer
Die Ausbeute von einer Nacht im Wert von ca. 20 Euro (Foto: Michael Wigge)

Die zweite Station war Belgien, denn dort legte das Schiff über den Atlantik ab. Aber wie verdient man sich so ein Zugticket nach Belgien? Hier kommt das Butler-Kostüm ins Spiel. Mithilfe von Butlerdiensten (Auto polieren, Chaffeurdienste,…) bei Millionär Harald erarbeitete er sich das Ticket ins Nachbarland. Der Versuch im Zug schwarz zu fahren schlug leider einmal fehl, aber beim zweiten Versuch klappte auch dies. Details möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, sonst heißt es noch, hier wird zum Schwarzfahren angestiftet… 😉

no-money-02
Chaffeuerdienste für Harald, den Millionär (Foto: Michael Wigge)

Bis hierhin kann man sich noch gut vorstellen, wie so eine Reise abläuft. Man ist auf die Hilfe von anderen angewiesen und darf auf keinen Fall zu scheu sein, auf andere Leute zu zugehen und sich bei Bedarf auch mal zum Affen zu machen. Was ihm auch sehr geholfen hat, war ein laminiertes Konzept auf dem sein konkretes Vorhaben in 3 Sprachen genau beschrieben war. Die Menschen wollten selbstverständlich an so einem Projekt teil haben und halfen gern. Das laminierte Konzept brachte ihm unter anderem eine gratis Busfahrt und einen Ausflug zu den Niagara-Fällen ein.
Den Großteil seines Essen und der Reisetickets erwarb er durch Tauschgeschäfte: Essen gegen einen Witz, kostenlose Unterkunft gegen ein Fotoshooting oder einen Kaffee im Starbucks für einen Handstand vor der Theke.

Eines der Hauptprobleme dieses Unterfangens waren die Schlafplätze. Seine vorrangige Vorgehensweise dafür war die Couchsurfing-Plattform couchsurfing.com. In Zeiten des Internets, wo sich Menschen miteinander vernetzen, scheint wirklich alles möglich zu sein. Couchsurfing ist ne super Sache. Über das Portal couchsurfing.com kann sich jeder einen Account anmelden und schon geht’s los. Idealerweise bietet man seine eigene Couch auch als Schlafplatz an. Und es kostet keinen Cent, man lernt die Einheimischen kennen, bekommt einen viel besseren Einblick in das jeweilige Leben in den Zielländern. Ein völlig anderes Reisegefühl und das auch noch kostenlos!
Der passionierte Weltenbummler war sich aber auch nicht zu schade in einer Scheune, in einem Park oder auf einer Plastikplane zu übernachten – das waren aber zum Glück die Ausnahmen.

Eine weitere Herausforderung waren die zwei großen Schiffsreisen. Die Reiseroute verlief über den Atlantik nach Kanada, weiter in die USA, Südamerika und zu guter letzt in die Antarktis. Ein großer Teil der Planung im Vorfeld bestand darin Reedereien anzuschreiben und anzurufen und um einen Job anzuheuern. Das klappte zum Glück und so kam der hartnäckige Challenger, wie er sich gerne selbst bezeichnet, letztendlich zu dem Posten, bei dem er Schiffsgeländer streichen, Container inspizieren oder Dosen zählen musste.

575.693
Bei der Überfahrt nach Kanada (Foto: Michael Wigge)

Michael Wigge meinte, auf meine Frage hin ob es auch mal brenzlige Situationen gab, dass er schon auch mal ausgeraubt wurde, aber im Großen und Ganzen war nichts wirklich Schlimmes dabei. Ihm war eben wichtig, dass er in fremden Städten immer jemanden hatte, der ihn abholt. Ob so eine Reise als Frau in selbiger Weise möglich wäre, vor allem mit den Schiffsreisen, wage ich zu bezweifeln. Aber es wäre auf jeden Fall ein interessanter Versuch… 😀

Natürlich nicht ohne einem laminierten Konzept, das bringt’s nämlich total. Das weckt Vertrauen und so.

Ich fragte ihn dann abschließend noch nach seinem schönsten Erlebnis und die Antwort finde ich toll: Es waren und sind die Menschen. Unser, durch die Medien manipuliertes, Bild der „ach so schlechten“ Gesellschaft wird komplett entkräftet durch die positiven Eindrücke, die man auf so einer Reise bekommt. Es wird einem so viel geschenkt, so viel geholfen, jeder ist unglaublich nett und gastfreundlich. Da kehrt der Glaube an die Menschheit Stück für Stück zurück.

17626363_206375949849823_2292763101553009860_n
Michael Wigge und ich bei der BERGinale in Berchtesgaden

Wer neugierig auf seine Erlebnisse geworden ist und wissen möchte, wie er zu einem Abstecher nach Hawaii oder einem Besuch von Macchu Picchu kam, dem lege ich sein Buch sehr ans Herz.
Das gibt es hier:  Ohne Geld bis ans Ende der Welt: Eine Abenteuerreise*

(*durch den Klick und Kauf über diesen Link, macht es für euch keinen Unterschied, aber ich bekomme durch das amazon-Partnerprogramm ein paar Cent dafür)

Termine von diesem und weiteren Vorträgen findet ihr auf: http://www.michaelwigge.de

Die Bilder sind, bis auf unser gemeinsames Foto, alle von Michael Wigge – Ich darf sie mit freundlicher Genehmigung für diesen Artikel verwenden – Vielen Dank an dieser Stelle!

Ich habe diesen Vortrag im Rahmen der BERGinale in Berchtesgaden gratis besuchen dürfen. Quasi auch ein Tauschgeschäft: Blogartikel gegen Eintrittskarte.
(Offenlegung aufgrund des Outdoor Blogger Codex)

Für alle Interessierten: Die BERGinale geht noch bis Sonntag, den 02. April 2017. Ein detailliertes Programm findet ihr unter: http://www.berginale.de/

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s