Bergtour, Gedanken

Servus, Griasdi, Hallo – Einführungskurs im Grüßen am Berg

Es ist wahrlich verwunderlich, aber eine Sache kann man immer und immer wieder beobachten: Sobald jemand auch nur den kleinen Zeh Richtung Berghang streckt, öffnet sich auf wundersame Weise ein Portal, durch das die Menschen zu sanften, kuscheligen Wesen werden. Jeder, der diese Welt betritt, erstrahlt vor Liebe und Glück und hat das Bedürfnis, dieses mit anderen zu teilen.

Hat euch der grantig aussehende alte Mann vorher noch gekonnt im Vorbeigehen ignoriert, so winkt er euch später am Berg freudig entgegen. Die gestresste Familie, die neben euch parkt, würdigt euch keines Blickes, wenig später grüßen euch alle mit einem breiten Grinser.

Ihr tut gut daran, diese Freude mit selbiger Herzlichkeit zu erwidern, sonst habt ihr sehr bald den Unmut der gesamten Berg-Gemeinschaft auf euch gezogen. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass sich am Berg gegrüßt wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob man sich am Mount Everest oder am 900 m hohen Hausberg befindet. Selbstverständlich gilt in der Höhe die Du-Form.

Jene welche, die dem Rausch der Berge bereits schon längere Zeit erlegen sind, kennen diesen Brauch selbstverständlich und gehen diesem nur allzu gerne nach. (Falls nicht, so fühlt euch an dieser Stelle von mir ausgeschimpft!) Für die Neulinge unter euch gilt: Schreckt euch nicht, wenn euch die Menschen plötzlich anders begegnen und offen auf euch zu gehen. Damit ihr wisst, wie ihr in solchen Situationen reagieren sollt, habe ich im Folgenden die gängigsten Begrüßungen zusammen getragen.

Viel Spaß beim Lesen und auswendig lernen!


Die Klassiker

Hallo – Ein einfaches „Hallo“, sollte selbst dem schüchternsten Berggeher über die Lippen kommen. Mit diesem absoluten Begrüßungsklassiker liegt man niemals verkehrt, egal ob man im heimatlichen Hintertuxing oder im nepalesischen Hochland unterwegs ist. Im Ausland sollte man es eventuell englisch anhauchen, damit es auch wirklich richtig verstanden wird (Hellouuu!).

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Hi (oder auch Hey) – Ebenfalls wie das „Hallo“ ist ein knackiges „Hi“, vor allem bei jüngeren Menschen, eine weit verbreitete Begrüßung. Besonders entgegenkommend ist diese simple Form der Anerkennung bei anstrengenden Anstiegen, da man dabei völlig außer Atem ist und dennoch natürlich irgendwie grüßen möchte und sollte. Ein „Hi“ bekommt man selbst dann noch irgendwie heraus gepresst.

Servus – Sehr beliebt bei deutschen (in erster Linie bayrischen) Wanderern ist das „Servus“. Es vermittelt Heimatgefühl, Freiheit, Naturliebe und Lockerheit in einem. Ein Servus weckt Vertrauen und sollte stets mit einem freundlichen Lächeln serviert werden.

Mahlzeit – Eine um die Mittagszeit beliebte Form der Begrüßung. Vor allem im näheren Umkreis von Hütten und Rastplätzen gern gehört.


Begrüßungen im Dialekt

Serwas / Seas – Abgewandelt vom „Servus“ gibt es den Ausspruch natürlich auch in der Dialekt-Version. Eignet sich besonders für lockere Zusammenkünfte, Begrüßung von Gruppen und ist noch gut hinzuklatschen, selbst wenn die Situation eigentlich gerade keine großartigen Lautäußerungen zulässt.

Zerwas – Wer seiner Begrüßung einen besonders starken Ausdruck verleihen möchte, der betont das Serwas extra stark und macht daraus ein kräftiges ZERWAS!

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Serwas beinond – Benutzt man, wenn man sich zu einer bestehenden Gruppe dazugesellen möchte z.B. wenn diese bereits an einem Tisch in der Hütte sitzt.

Grias god sche – Die höflichere Version vom „Serwas beinond“. Ebenfalls gut geeignet, um sich zu bestehenden Gruppen zu gesellen, aber auch einfach so im Vorbeigehen ein Gruß, der dem Gegenüber leicht ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Grias di / Grias eich – Diese Begrüßung erfordert schon ein bisschen mehr Konzentration, da man erst zählen muss, wie viele Leute einem entgegenkommen. Wenn man sich dabei verzählt, muss man doppelt und dreifach grüßen. Daher ist diese sympathische Begrüßung ideal für leichte Passagen in gemütlichem Geh-Gelände oder im entspannten Hütten-Ambiente.

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Moizeit – Ebenfalls wie das „Mahlzeit“ hauptsächlich verwendet um die Mittagszeit. Eigent sich perfekt auf Hütten und Jausenplätzen. Der Dialekt würzt das Ganze noch ein bisschen in Richtung „urig-bergisch“.

Moin – Am Berg eher selten, aber es soll doch manchmal vorkommen, dass sich ein Norddeutscher in die Berge verirrt. Da kann es passieren, dass ihr von diesen seltenen Exemplaren mit „Moin“ begrüßt werdet. In Norddeutschland ist das eine sehr verbreitete Form der Begrüßung, die zu JEDER Tageszeit gültig ist…

Tach – Dieser Ausspruch stammt ebenfalls aus dem norddeutschen Raum und ist von Tag bzw. guten Tag abgeleitet. Hört man oft in den von deutschen Touristen überlaufenen, häufig mit Seilbahn zu erreichenden, Gipfeln.

Grüezi – Ursprünglich aus der Schweiz stammende höfliche und äußerst freundliche Begrüßung. In der Schweiz häufig gebraucht von älteren Person als Begrüßung in Sie-Form. Bei uns in Verwendung für Jedermann und -frau, egal ob per Du oder per Sie.

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Salut / Salü – Ursprünglich französischer Gruß, der von den Schweizern zu einem lockeren Salü verkürzt wurde. Solltet ihr in schweizerischen Gefilden unterwegs sein, dann kommt euch dieser Gruß bestimmt öfter in die Ohren.

Heil / Heile – Nicht erschrecken, wenn euch jemand heil entgegen ruft. Das ist eine gängige Form des Grüßens in Vorarlberg und Teilen Tirols. Das war schon vor’m Krieg so und wird wohl auch noch ’ne Zeit lang so bleiben. Vor allem bei den Urgesteinen des westösterreichischen Alpinismus sehr beliebt!

Salve – Dieser Ausspruch stammt aus dem Lateinischen und ist in Italien heute noch sehr verbreitet. Ursprünglich bedeutet es sowas wie „Heile, Gesundheit, Ganzheit“ – also alles Dinge, die man am Berg gut gebrauchen kann. Spätestens bei der nächsten Tour in den Süden kommt man an diesem Gruß nicht vorbei.


Höfliche Begrüßungen

Guten Morgen / Tag / Abend – Wer sich unsicher ist, wie das Gegenüber reagiert, sollte auf ein neutrales Guten Morgen/Guten Tag oder Guten Abend ausweichen. Dabei ist es wichtig, die genaue Uhrzeit im Kopf zu haben, sonst könnte ein Zusammentreffen mit anderen Menschen peinlich werden.

Grüß Gott – Betont höfliche Begrüßung. Respektsbekundung von oder für ältere Herr- und Frauschaften. (Auch wenn einem die meist sogleich schimpfen, dass übertriebene Höflichkeit im Tal zu bleiben hat!) Zeichen der Anerkennung, das gerne mit einem respektvollen Nicken kombiniert wird.


Lautlose Begrüßungen

Vor allem bei Bergsportarten, die höchste Konzentration erfordern, sind lautlose Begrüßungen weit verbreitet und beliebt (z.B. beim Klettern).

Nicken – Zumeist unterstreicht ein Nicken in die Richtung des Anderen eine Begrüßung zusätzlich. Bei Witterungsbedingungen wie z.B. starkem Wind und Regenfällen oder nötiger Konzentration ist eine Lautäußerung nicht immer möglich, daher ist diese Form der Zur Kenntnisnahme ebenfalls akzeptiert.

Lächeln – Ein Lächeln kommt besonders gut beim Gegenüber an. Selbst wenn man sich aktuell noch so quält, so sollte man stets ein Lächeln auf den Lippen haben. Was am Berg aber keine allzu große Schwierigkeit darstellt, andernfalls ist man dort eher fehl am Platz.

Zwinkern – Für die Flirter und besonders aufmerksamsheischenden Berggeher, empfehle ich ein unauffälliges Zwinkern zu dem Objekt eurer Begierde. Aber nicht zu häufig wiederholen, sonst könnte man annehmen ihr habt was im Auge.

Winken – Wird gerne verwendet, um weiter entfernte Wanderer zu begrüßen z.B. auf einem Nachbargipfel und ähnliches. Als Kletterer verwendet diese Form des Grüßens bitte nur, wenn ihr euch bereits am Stand befindet und ausreichend gesichert habt.

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Kreative Begrüßungen

Ahoi / Ahoi hoi – Ursprünglich aus der Seefahrt stammende, aber mittlerweile auch andernorts verbreitete Begrüßung. Spätestens seit dem Captain in „How I Met Your Mother“ kennt das jedes Kind. Wenn ihr euch als Seefahrtskapitän fühlen wollt, sei euch dieser Spruch ans Herz gelegt.

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Palim Palim – Eine Türglocke imitierende Lautäußerung, die besonders gut beim Betreten von Hütten ankommt.

Aloha – Aloha kommt eigentlich aus Hawaii, ist mittlerweile jedoch weltweit als Gruß anerkannt und wird regelmäßig verwendet. Vor allem bei strahlendem Sonnenschein kommt diese Begrüßung sehr gut an.

Schalom – Das hebräische Wort für Frieden. Und wo findet man schon mehr Frieden als auf einem Berg? Seit Anbeginn der Zeit ein gängiger Gruß, der auch zur Verabschiedung verwendet wird.

Howdy – Yihaaaaaa howdy partner! Kommt besonders gut auf dem Rücken eines Pferdes, mit einem gekonnten Schnippser an die Hutkrempe.

Huhu – Dient nicht nur dem Auf-sich-aufmerksam-machen, sondern manchmal auch als Begrüßung. Oft ist es auch eine Kombination aus beidem. Unterstützend kann wildes Herumfuchteln eingesetzt werden, sofern man die Hände frei hat.

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Hola – Das temperamentvolle Hallo! Selbst wenn es einem hierzulande ein wenig spanisch vorkommt, so ist ein „Hola“ am Berg durchaus erlaubt. Besonders zu richtig heißen Temperaturen passt diese Form der Begrüßung perfekt. Fehlt nur noch der Tequila…

Hellas – Man möchte an dieser Stelle meinen, das wär die in Griechenland typische Form der Begrüßung – aber NEIN! Erst seit dem „Schuh des Manitu“ verwenden wir in unseren Breitengraden das „Hellas“ als Begrüßung. Eigentlich bedeutet es wörtlich übersetzt schlicht und einfach „Griechenland“.

Ave – Cäsar!

Hallo schöner Mann / schöne Frau – So eine Begrüßung sollte sparsam eingesetzt werden. Richtig platziert vermag dieses Zeichen der Hingabe zu einem besonders schönen Erlebnis zu verhelfen. Nur für die besonders mutigen Flirter unter euch!

An Festtagen kann man seine Begrüßung optional mit Glückwünschen erweitern z.B. Frohe Ostern, Schöne Weihnachten, Gutes neues Jahr usw.


 

Mit dieser Sammlung kommt ihr auf jeden Fall durch eure nächsten Wanderungen, Klettertouren oder sonstigen Ausflüge in höhere Höhenlagen.

Ich verabschiede mich an dieser Stelle mit einem kräftigen

SERVUS, PFIATGOD und AUF WIEDERSEHEN!

…und immer schön freundlich bleiben…

Me_Barmstein

 

 

3 thoughts on “Servus, Griasdi, Hallo – Einführungskurs im Grüßen am Berg”

      1. Gern geschehen! Habe den Artikel auch an die Wand genagelt (Pinterest), gezwitschert und in FB verbreitet.

        Have fun
        Horst

        Gefällt mir

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