Bergtour, Fortgeschrittene, Skitour

[Skitour] Hohe Rossfelder über Königsbachalm

Aufgrund des überraschenden Neuschneefalls Ende April und den Erfahrungsberichten einer Freundin, ging es für mich diesmal auf die Hohen Rossfelder.

Diese befinden sich im wunderschönen Berchtesgadenerland und sind umzingelt von den bekannteren Skitourenzielen Jenner, Göll und Watzmann.

ACHTUNG! Die Hohen Rossfelder sind nicht mit dem allseits bekannten Rossfeld in Oberau zu verwechseln. Das sind zwei verschiedene Touren mit ganz verschiedenen Anforderungen.
(Die Rossfeld-Skitour gibt es hier: [Skitour] Rossfeld)


Eckdaten:

RouteHoheRossfelder

Art der Tour: Skitour
Ziel: Hohe Rossfelder 2023 m (kein Gipfel im eigentlichen Sinn)
Talort: Schönau am Königssee
Startpunkt: Talstation Jennerbahn oder als kurze Variante vom Parkplatz Hinterbrand
Dauer Aufstieg: vom Tal bei ausreichender Schneelage 3h 30m
von Hinterbrand ca. 2h 30m
Höhenmeter: ~1350 HM vom Tal; ~900 HM vom Parkplatz Hinterbrand
Schwierigkeit: technisch leicht, aber ausdauernd
Meine Anreise: Zug und Fahrrad
Wetter: strahlendster Sonnenschein
Einkehrmöglichkeit: Carl-von-Stahlhaus (zusätzlicher Anstieg von ca. 500 HM)

Die direkte Skitour zum Stahlhaus wird oft als eigenständige Tour gemacht. Meinen Bericht und die Eckdaten dazu findet ihr unter folgendem Link:
[Skitour] Carl v. Stahlhaus über Königsbachalm

Die Eckdaten der Skitour auf die Hohen Rossfelder als Kurzversion im PDF-Format findet ihr hier: Hohe Rossfelder_V1.1 (PDF)


Die Anreise

Das Wander- und Skitourengebiet rund um den Jenner eignet sich besonders gut für die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Da ich an diesem Tag alleine unterwegs sein würde (sprich ohne Auto), fiel die Wahl auf eine Tour in der Umgebung des Königssees nicht schwer. Laut Internetrecherche und Nachfrage bei Freunden, hat es in der Gegend genügend Schnee abgeworfen und so stand meinem perfekten Skitourentag nichts mehr im Wege.

Ich habe ein paar Tage zuvor auf Instagram einen Post von berchtesgadener_land gesehen, indem der Königsseer Fußweg als Wandertipp beschrieben war. Da wurde ich doch glatt hellhörig. Dieser Weg verläuft vom Bahnhof in Berchtesgaden entlang der Königsseeache bis direkt zum Königssee und darf mit dem Rad befahren werden. Herz, was willst du mehr?
Der Entschluss stand fest: Ich mache eine Bike & Hike & Ski – Tour!

So… wie transportiert man am besten seine Ski mit dem Fahrrad, wenn man zu wenig Zeit hat sich eine geeignete Vorrichtung zu bauen? Richtig! Man schnallt sie schlicht und einfach mit einem Seil und einem Expander an den Rahmen. Tadaaaaa, fertig ist das Skitouren-Bike! Skischuhe und Skistecken können am Rucksack befestigt werden.

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Mit Sack und Pack auf dem Weg zur Königsbachalm

Mit gepacktem Fahrrad ging es zu meinem Haus- und Hofbahnhof in Salzburg Aiglhof. Von dort aus mit der S3 nach Freilassing (fährt regelmäßig). In Freilassing erfolgt der Umstieg zur S4 nach Berchtesgaden. Alles in allem eine angenehme und unkomplizierte Zugverbindung. Die Kosten belaufen sich auf 8,70 € pro Strecke vor 9 Uhr. Ab 9 Uhr kann man ein Tagesticket um 7 € lösen.

Wenn man sich den Weg mit Fahrrad nicht antun möchte, so gibt es vom Bahnhof Berchtesgaden selbstverständlich auch einen Bus bis Schönau am Königssee (Buslinie 841). Ich war aber neugierig auf diesen Verbindungsweg und machte mich freudestrahlend auf die Suche nach dem Beginn des Königsseer Fußweges.

Dieser ist selbst für Orientierungsmuffel nicht schwer zu finden. Man fährt/geht Richtung großer Kreisverkehr vor dem Bahnhof. Die zweite Ausfahrt rechts führt am Alpincenter Berchtesgaden vorbei in Richtung einer Geschäftsmeile mit diversen Supermärkten. Auf dem Parkplatz rechts halten, bis man die ersten typischen, gelben Wandermarkierungen erblickt. Ab hier geht es im Prinzip nur noch geradeaus der Königsseeache entlang.

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Hier geht’s lang… (roter Pfeil)

Der Weg ist meist flach und breit und somit nicht wirklich anstrengend zu fahren. Rund 40 Minuten später bin ich am großen Parkplatz beim Königssee angekommen.


Der Anstieg

Der eigentliche Startpunkt dieser Skitour bei ausreichender Schneelage ist die Jennerbahn-Talstation. Nach einem kurzen Stück auf der Piste zweigt die Tourengeher-Route rechts ab, in den Wald hinein (gut beschildert mit Tourengeher-Symbol und Skigebietsübersicht).

Nachdem es aber bei mir doch schon Ende April war und der Schnee dementsprechend „nicht vorhanden“ im Tal, stand mir als Erstes eine kleine Wanderung samt Fahrrad bevor.

Ich bin jetzt nicht unbedingt soooo die große Mountainbikerin, daher habe ich die ersten Höhenmeter bis kurz vor die Königsbachalm schiebenderweise hinter mich gebracht. Spätestens bei der Rückkehr war ich jedoch heilfroh um mein Gefährt da oben *uff*

An grünen Skipisten vorbei, ging es den breiten Schotterweg immer weiter hinauf, bis ich endlich einen geeigneten Platz vorfand, um mein Fahrrad zu deponieren.

Endlich Schnee, jucheee!!

Ab hier war mir die Strecke als Skitour bereits vertraut, daher stiefelte ich voller Vorfreude los in Richtung Königsbachalm. Bereits beim Skischuhe anziehen und Ski anlegen, hab ich aus weiter Ferne ein Tier wahrgenommen und dachte mir naserümpfend: „Na toll, da kommt jemand mit seinem Hund… und das an ’nem Montag morgen mitten am Berg!“ Wie sich beim Näherkommen jedoch herausstellte, handelte es sich hierbei um eine wunderschöne Gams, die locker flockig davon hoppste, als ich in ihre Richtung kam.

Der ursprüngliche Plan sah vor, dass ich nur auf’s Stahlhaus gehe, da mir der Weg dorthin bereits vertraut war und ich mich dabei sicher fühlte. Ich war ja immerhin ganz alleine unterwegs und bin bei Weitem kein Profi-Alpinist, der unbekümmert jede Tour machen kann. Der Reiz eines Pulverhanges war jedoch groß und so stellte ich mich innerlich darauf ein, doch mal in Richtung der Hohen Rossfelder zu wandern. „Einfach mal die Lage checken und nötigenfalls umkehren…“

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Die Königsbachalm(en)
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Nennen wir es „Gipfelkreuz“ der Königsbachalm
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Die Königsbachalm, im Hintergrund lugt bereits der Watzmann hervor

Spätestens beim Wegweiser Richtung Stahlhaus oder Priesbergalm, sollte eure Entscheidung für die Tour gefallen sein. Ich habe mich für die Priesbergalm (sprich die Hohen Rossfelder) entschieden und optional, wenn noch Zeit und Lust vorhanden sind, auf’s Stahlhaus.

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Besagter Wegweiser… hier musst du dich entscheiden!

Die Wirtsleut‘ vom Stahlhaus sind ja gefinkelt… das abgebildete Bierglas ist durchaus seeeeehr verlockend. Nichtsdestotrotz stiefelte ich seufzend an dem Wegweiser vorbei in Richtung Pulvertraum.

Eine kurze Schoko-Pause hab‘ ich mir jedoch nicht nehmen lassen!

RITTERSPORT
nom nom nom…

Frisch gestärkt ging es vorbei an der Enzianbrennerei Grassl

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…in Richtung Priesbergalm

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…mit Blick auf den Watzmann, der einem von nun an die gesamte Skitour begleiten wird.

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Ab hier folgt man einfach dem logischen Verlauf bergan. Meist ist eh schon vorgespurt.

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Priesbergalm im Pulverparadies

Weiter geht es durch eine kurze Waldschneise…

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…zum unteren Hohen Rossfeld… (herrlicher Ausblick)

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…und bei sicheren Verhältnissen über das obere Hohe Rossfeld bis unter den Fagstein.

good 3

Dabei immer im Visier… der Watzmann mit seiner gewaltigen Ostwand.

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Blick auf die Watzmann-Ostwand im klassischen Zebra-Design

Zeit für eine erneute Stärkung, bevor es an die wohlverdiente Pulverabfahrt geht!

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„Jetzt aber schnell bevor der Firn zum Sulz wird!“


Die Abfahrt

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Bis zum Wegweiser Richtung Priesbergalm: Abfahrt wie Anstieg. Danach kann man je nach Fitness und Motivation weiter Richtung Stahlhaus aufsteigen (ca. 500 HM) und von dort noch 15 Minuten Richtung Jenner-Piste queren oder man fährt entlang der Hochbahn wieder ab (so nennt sich die Schotterstraße, von der man gekommen ist).

Bei guten Verhältnissen ist die Abfahrt ein absoluter Traum. Weite Wiesen, Watzmannblick, was will das Skitourerherz mehr?

Ich hab das Wetter und die Schneeverhältnisse so dermaßen gut erwischt, dass mir während der Abfahrt unbewusst ein Jubelschrei entkam. Ich habe selten Befriedigenderes erlebt.

Mittlerweile haben sich die Hohen Rossfelder als eigenständiges Tourenziel etabliert, und das mehr als verdient! Das war definitv meine schönste Skitour der Saison!


Optional: Weiterweg zum Carl-von-Stahlhaus

Ich hatte noch massig Zeit, ich hatte Lust, ich hatte Durst, warum also nicht am heißgeliebten Stahlhaus einkehren? Wenn ich schon mal da bin…

Der Weg als Skitour ist hier bereits beschrieben: [Skitour] Carl v. Stahlhaus über Königsbachalm

Bei meinem ersten Besuch am Stahlhaus war das Wetter jedoch nicht so hervorragend. Es bestand hauptsächlich aus Wolken, Nebel und fehlender Sicht. Daher reiche ich hiermit die Schönwetter-Variante als Bildergalerie nach:

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Das Stahlhaus in voller Pracht, im Hintergrund das Hohe Brett
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Der Ausblick Richtung Golling
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Ebenfalls Richtung Golling
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Der Schneibstein direkt vor der Nase
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Blick zur Berchtesgadener Seite (inkl. Staatsgrenze)

Die 1523 Höhenmeter, eine herrliche Pulverabfahrt, dem wohlverdienten Weißbier und einer Kaspressknödlsuppn später… bin ich etwas fertig aber mit Glückshormonen gefüllt wieder bei meinem Fahrrad-Depot unterhalb der Königsbachalm angekommen. Dort ist während der kurzen Zeitspanne der gesamte Schnee weg geschmolzen und ich musste die Ski vorzeitig abschnallen.

Die geschundenen Füße frisch in gemütliche Converse-Latschen gepackt (Converse aufgrund des Gewichtsfaktors), ging es in gemütlichem Tempo zuerst Richtung Tal und dann dem Königsseer Fußweg folgend zurück bis zum Berchtesgadener Bahnhof.

Diese Skitour war durchaus ein tagesfüllendes Programm. So wird aus einer vermeintlich kurzen Tour ein wahrhaft wunderbares Abenteuer, dass man bestimmt nicht so schnell vergisst!

Netter Nebeneffekt: Mein ökologischer Fußabdruck auf dieser Skitour ist astrein.

Und wie sage ich immer: „Wenn man wirklich will, so ist kein Ziel unerreichbar!“

 

5 thoughts on “[Skitour] Hohe Rossfelder über Königsbachalm”

  1. Respekt! Eine bessere CO2 Bilanz kann man für diese Tour nicht mehr haben!
    Start am Bahnhof… das ist ehrliche Bergsteigerei!
    (ohne fast schon üblichen eBike!)
    Ich habe diesen „Ehrgeiz“ ehrlich gesagt nicht, deshalb schätze ich solche Vorbilder noch mehr!
    GRATULATION
    Griaß
    Stefan

    Gefällt 1 Person

    1. Lieber Stefan!
      Vielen Dank für deine Worte. Als ich das gelesen habe, ist mir eine Freudenträne über die Wange gekullert. Mich hat noch nie jemand als „Vorbild“ bezeichnet. Das hat mich wirklich sehr berührt.
      Das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Fahrrad ist bei mir aus der Not heraus entstanden. Bis jetzt habe ich das noch nie als Option gesehen, eventuell auch andere mit dieser naturfreundlichen, gesunden und ehrlichen Art des Bergsteigens und Wanderns anzustecken.
      Solch Feedback wie deines motiviert mich jedoch sehr in diese Richtung weiterzugehen, selbst wenn ich mir jemals wieder ein Auto leisten könnte.

      Also vielen Dank nochmal!!

      Herzlichste Grüße,
      Romana

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