Gedanken

Eine besondere Liebeserklärung an einen besonderen Berg

Bei diesem Blogartikel handelt es sich um einen Beitrag zur Blogparade von
wanderwütig – Hauptsache draußen!

Ich hab‘ bei so etwas noch nie mitgemacht, aber an diesem Thema komme ich einfach nicht vorbei. Jeder von uns hat doch diesen einen ganz besonderen Lieblingsberg, zu dem man immer wieder gern aufschaut, den man immer wieder gern besucht, auf dem man wunderschöne Zeiten erlebt hat und hoffentlich noch oft erleben wird.

Lieblingsberge gibt’s bei mir im Prinzip, wie wohl bei jedem, unzählige. Ich hätte den Nanga Parbat nehmen können. Der erste 8000er mit dem ich mich näher beschäftigt habe nach dem Mount Everest, den sowieso bereits jedes Kind kennt. Dessen Schicksalsexpeditionen ich aufsaugte wie Stechmücken unser Blut. Seit ich den Film über die Messner-Tragödie am Nanga Parbat gesehen habe, bin ich größter Reinhold Messner – nennen wir es „Fan“…

Ich hätte den Watzmann nehmen können. Unglaublich schön und einzigartig in seiner Form ist er der Lieblingsberg von so vielen. Der Watzmann wurde bereits des Öfteren zum schönsten Berg der Welt gekührt. Es gibt kaum einen Berg vor dem ich so viel Respekt habe, wie vor diesem, darum war ich bis jetzt noch nie oben. Das wird sich dieses Jahr hoffentlich ändern. Es fühlt sich dennoch falsch an, ihn als Lieblingsberg auszuwählen, wenn ich noch nicht einmal einen Fuß auf diesen Berg gesetzt habe.

Daher habe ich mich für meine ehemaligen Hausberge entschieden, zu deren Füßen ich aufgewachsen bin und auf denen ich in meinem bisherigen Leben wohl am häufigsten oben war: Die Barmsteine in Hallein.

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Die Barmsteine thronen über Hallein

So gesehen habe ich irgendwie zwei Lieblingsberge – den Kleinen und den Großen Barmstein, wobei ich auf dem Kleinen deutlich öfter oben war.


Warum die Bamstoa?

Naja,… das ist im Grunde leicht erklärt. Von Kindheit an begleiten mich diese markanten Felswände. Sie sind ein Wahrzeichen meiner Heimatstadt Hallein. Ich bin direkt am Fuße des Berges aufgewachsen, auf Höhe der Brauerei Kaltenhausen am anderen Salzachufer.

Die Barmsteine eignen sich hervorragend zum wandern, klettern, feiern, Natur genießen oder schlicht um den Überblick zu bewahren …

Mittlerweile kann ich gar nicht mehr zählen, wie oft ich bereits dort oben war. Ich wage zu behaupten, dass der Kleine Barmstein sogar mein allererster Gipfel überhaupt war. Ich erinnere mich an eine prägende Wanderung mit der Mama noch über den alten Wanderweg. Der verlief damals rechts entlang des heutigen Wildtiergeheges. Mittlerweile gibt es linksrum einen Schotterweg. Ausflüge mit meiner Mama waren damals sehr selten, da sie alleinerziehend und Vollzeit beschäftigt war. Daher habe ich diese Touren besonders geschätzt und genossen.

Besonders faszinierend fand ich schon damals, dass man an der Deutsch-Österreichischen Grenze umherwandert. Ein Kind springt in der Regel gerne hin und zurück oder steht mit einem Bein in einem Land und mit dem anderen Bein im anderen. Und so natürlich auch ich. Oben am Gipfel des Kleinen Barmstein gibt es einen Grenzstein mit Ländermarkierung auf den ich mich noch heute nahezu jedesmal rauf stelle oder setze.

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Besagter Grenzstein – mit einem Bein in D und dem anderen Bein in Ö

Wenn Freunde oder -innen, die noch nicht so bergerfahren sind, fragen, ob ich mit ihnen eine Anfängertour gehe, die aber schon ein bisschen alpiner ist, gehe ich mit ihnen auf den Barmstein. Dort hinauf zu wandern ist die ideale Einsteigertour mit alpinistischem Flair. Für jemanden der etwas Höhenangst hat, ist es ein super Trainingsberg, denn oben wird es ausgesetzt, aber nicht so arg, dass man das Gefühl hat, die Kontrolle zu verlieren.

Ich war mit jedem meiner Freunde (Beziehungen) dort oben, ausnahmslos. Ich hatte sogar schon Sex auf diesem Berg! (Und nein, ich verrate nicht, wo genau *hihi*)

Ich habe dort droben Tagebuch geschrieben, in schweren Zeiten Kraft gefunden, in guten Zeiten die Aussicht genossen. Ich war dort bei Regen und Schnee, bei Sonne und Nebel, im Winter wie im Sommer…

UND: Ich bin auch schon von ihm runter gefallen. Der bisher einzige Absturz meiner Bergkarriere. Ich war ungefähr 17 oder 18 und mit meinem damaligen Freund zum ersten Mal am Großen Barmstein. Beim Abstieg, ein paar Meter überhalb der Kletterstelle, bin ich plötzlich mit einem Fuß weg gerutscht und >ZACK< sah ich mein Leben an meinem inneren Auge vorbei ziehen… Zum Glück bin ich auf die deutsche Seite abgerutscht, wo kein hunderte Meter tiefer Abgrund lauert, sondern ein rund 10 Meter entfernter Untergrund mit „bremsendem“ Waldboden. Trotzdem bin ich mit großen Schrammen und nur noch einem Schuh zum heutigen Cafe Barmstoa gehumpelt. Damals war das nur ein Wohnhaus. Die Bewohner sind und waren es bereits gewohnt, dass Verunglückte an ihre Tür klopfen und so durfte ich mich dort frisch machen und versorgen bis die Rettung eintraf. Eine nette Anekdote von diesem Unfall: Ich habe danach mein erstes und einziges Mal eine Beruhigungstablette bekommen und befand mich im Siebten Himmel. Manche Kleinigkeiten vergisst man eben nie, genauso wenig wie diesen Unfall, denn noch heute zieren Narben und Schrammen meinen Oberkörper.

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Ungefähr hier war die Absturzstelle – noch ’ne Spur weiter hinten am höchsten Punkt

Seit diesem Erlebnis passe ich 3 x so gut auf, wohin ich steige, gehe nur mit passendem Schuhwerk und nachts oder in der Dämmerung langsamer und überlegter, trotz Stirnlampe.


Routen und Möglichkeiten am Barmstein

Wanderwege:

  • Kleiner Barmstein über Ruine Thürndl
  • Kleiner Barmstein über Kleinkirchental
  • Großer Barmstein über Ruine Thürndl und Kleiner Barmstein
  • Großer Barmstein von Kaltenhausen
  • Großer Barmstein von Rehhof über Ruine Gutrat
  • Überschreitung Kleiner und Großer Barmstein

Die Überschreitung von Kaltenhausen nach Hallein existiert bereits als Blogbeitrag von mir: Wandertour – Großer und Kleiner Barmstein

Kletterrouten:

  • Kleiner Barmstein Südgrat (II bis III-)
  • Großer Barmstein Westwand (ca. ab VI)
  • Kleiner Barmstein Ostwand (Grad mir leider unbekannt, außer die Route der Huberbuam im Grad X – also außerhalb jeglicher Vorstellungskraft)

Über die Kletterrouten existieren keine offiziellen Topos mehr, da die Anrainer die Kletterer nur dulden, aber nicht unbedingt begrüßen. Es herrscht seit Jahrzehnten ein Krieg zwischen diesen Parteien.

Persönlicher Aufruf an dieser Stelle: Sollte jemand noch irgendwo in seinen Unterlagen eine Barmstein-Topo besitzen: Feel free to contact me 🙂

Nachtrag: Ich habe heute im Buchladen gestöbert und eine brauchbare Topo im Buch RockProjects – Kletterführer Salzburg Berchtesgaden: Klettern im Salzburger- und Berchtesgadener Land* gefunden! Ich werde mir das wohl demnächst zulegen.

Ich bin dort bisher „nur“ den Südgrat geklettert. Das war mein erstes Mal alpines Mehrseillängen-Klettern am Fels. Ich war wahnsinnig beeindruckt. Ich kannte diesen meinen Hausberg bisher ja nur als Wanderberg und dann plötzlich kraxelt man seinem Grad entlang mit links und rechts hunderten Metern Abgrund in Sicht…

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Klettern am Barmstein-Südgrat mit Blick zum Untersberg
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Der Südgrat von hinten (deutsche Seite) – man klettert von rechts nach links

Mein Traum ist die Westwand des Großen Barmstein. Irgendwann möchte ich auch dort in der Wand hängen und sagen können – wow, da bin ich hochgeklettert.

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Die Westwand des Großen Barmstein

*Bei Klick auf den Link könnt‘ ihr das Buch direkt bei amazon ordern. Für euch macht es preislich keinen Unterschied, aber ich würde ein paar Cent dafür bekommen, wenn ihr das Buch über meine Seite bezieht.


Die Sage der Barmsteine

Der Sage nach saß einst der Teufel zwischen dem Großen und Kleinen Barmstein auf einem Felsband und überblickte so das ganze Salzachtal. Eines Tages wanderte eine Prozession Richtung Oberalm und was wäre schlimmer für einen Teufel als eine betende Schar, deren Weihrauch bis zu ihm hinauf wehte?
Er war darüber so erzürnt, dass er los stampfte und wütete bis die Felsen ins Tal hinab stürzten. Aus diesem Grund, sagt man, ist heute die Kluft zwischen den beiden Felswänden. Ab und an stürzen immer noch Felsen herab. Man munkelt, das sei der Teufel, der mit seinem Werk noch nicht ganz zufrieden ist.


Geschichtliches

Viel ist mir leider nicht bekannt, aber ein paar interessante Infos, ließen sich doch zusammen tragen.

Woher stammt der Name „Barmstein“?

Vermutlich stammt der Name vom kelto-romanischen Wort barme für „Fels“ ab.

Die Ruine Thürndl

Bis zu meinen 20ern sah die Ruine Thürndl auf dem Weg zu den Barmsteinen noch folgendermaßen aus:

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Verwachsene Ruine Thürndl

Mittlerweile wurde sie vom „Gemüse“ befreit und bietet den Wanderern einen tollen Anblick auf ihrer Tour.

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Die gerohdete Ruine Thürndl

Die Ruine Thürndl, auch „Schozzries“ genannt, ist vermutlich ein Eckpunkt der Befestigungsanlage aus dem 13. Jhdt. Von dem nördlichen Stadttor, dem sogenannten Salzburger Tor soll früher eine Verbindungsmauer durch den Bannwald hinauf zur Ruine geführt haben.

1583 bezog ein Wildhüter namens Andree Mitterlechner die Burg. In den existierenden Dokumenten wurde die Anlage als Thurn an der Schosrissen bezeichnet.

Anfangs befand sich das Anwesen im Besitz des Stift Berchtesgaden. Am 21. Februar 1879 ging der Turm in den Besitz der Stadtgemeinde Hallein über, die auch heute noch der Eigentümer ist.

1933 – Die Zeit des Nationalsozialismus

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Hakenkreuz am Barmstein

Als Hitler 1933 in Deutschland an die Macht kam, zierte den Kleinen Barmstein ein riesiges, weißes Hakenkreuz. Erst nach meiner Schulzeit, bin ich auf dieses Bild in einem geschichtlichen Band über Hallein gestoßen und seit dem hat sich dieses beängstigende Werk in mein Hirn gebrannt. Wie schlimm muss das gewesen sein, am Fuße eines derart entweihten Berges zu leben? Es tut mir in der Seele weh, meinen Lieblingsberg so verunstaltet zu sehen.

Weiters wurden dort oben Lautsprecher aufgestellt. Die österreichische Seite der Grenze wurde mit Liedern und brauner Propaganda beschallt. Daneben gingen immer wieder Schmuggler über die dicht bewaldete Grenze, um NS-Plakate, Bücher und Schriften nach Österreich zu schmuggeln.

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Der Schmierenfink im Bild

In den Stollen der Barmsteine produzierten während der Zeit des Zweiten Weltkriegs die Grill-Werke, ein Rüstungsunternehmen. Die Brauerei Kaltenhausen nutzte diese Stollen ebenfalls zur Lagerung von Bier.

Nach dem Krieg

Am Großen Barmstein hat sich unmittelbar nach dem Krieg die ständestaatliche Heimwehr mit der Anbringung eines Kruckenkreuzes revanchiert. Das Kruckenkreuz symbolisiert die Ideologien des christlich-deutschen Österreichs.

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Die Reste des Kruckenkreuz lassen sich noch erahnen – wenn man sehr genau hinschaut

Der Maibaum auf dem Kleinen Barmstein

Auf dem Kleinen Barmstein befindet sich statt eines Gipfelkreuzes ein Maibaum, der jedes Jahr neu geschmückt wird. Pünktlich um 12 Uhr mittags steht der Baum aufs Neue und die Maibaumaufsteller kehren zu einem Umtrunk ein. Dazu spendiert das Hofbräu Kaltenhausen ein Fass Bier. Dieser Brauch geht auf die Kurfürstin Marie Leopoldine von Österreich-Este zurück, die 1815 die Brauerei gekauft hatte.

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Beim Maibaum-Aufstellen (c) http://marktschellenberger-bote.de/

Das Gipfelkreuz des Großen Barmstein

Das gibt es noch gar nicht mal sooooo lange – seit dem 21.06.2007 um genau zu sein. Errichtet wurde es von der Männerrunde Rehhof und wie ich nach ein wenig Recherche herausgefunden habe, wurde es per Hand hinauf getragen. Respekt, Jungs!

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Gipfelkreuz mit der aussagekräftigen Tafel

Mittlerweile wohne ich in Salzburg und komme nicht mehr so oft dazu auf die, von den Halleinern liebevoll Bamstoa genannten, Gipfel zu gehen. Aber jedes Mal, wenn ich sie von weitem sehe, geht mir das Herz auf. Ich werde diese zwei markanten Felswände für immer und ewig mit meiner Heimat verbinden. Egal, von welchem Blickwinkel aus ich sie sehe: von unten, von oben, von vorne oder von hinten.

Darum sind und bleiben diese beiden kleinen aber feinen Erhebungen meine Lieblingsberge!

Und was ist euer Lieblingsberg?

6 thoughts on “Eine besondere Liebeserklärung an einen besonderen Berg”

  1. Sehr, sehr nett geschrieben!!
    Mein Lieblingsberg bzw Gebirgsstock, ist das Lattengebirge, sehr Variantenreich und weil’s vor meiner Haustür is 😜
    Oba eigentlich hob i voi vü, Lieblingsberge, der Untersberg gehört a dazua!
    Lieben Gruß vom Soizburga Bergmadl 💃

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank!
      Das Lattengebirg kenn ich zwar, aber zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nu nie droben war. Steht aber ganz oben auf der Liste! Da gibt’s wirkli a paar feine Gipfel. Hast nen besonderen Tipp, was man unbedingt gemacht haben muss?
      Untersberg is a a gewaltig schena Koloss – den sieht ma wirkli von ganz Salzburg aus, das find i iwie so cool an erm. Wir hams scho sche bei uns 🙂
      Liebe Grüße und danke für das nette Kommentar!

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      1. Ps: nicht verwechseln, es gibt auch den Alpgartenrundweg; der ist auch superschön geht halt nicht rauf auf den Gipfel 🤗

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