Bergtour, Fortgeschrittene, Klettersteig

[Klettersteig] x 3 am Traunstein

Schon lange stand dieser Berg auf der persönlichen To Do-Liste. „Der Wächter des Salzkammerguts“ zählt zu den anspruchsvolleren Bergen der Region. Es gibt auf den Traunstein nahezu ausschließlich Steige die alpine Erfahrung, absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit verlangen. Wem das noch nicht genug ist, der hat kurz vor dem Gipfel noch die Option auf einen Sportklettersteig der Schwierigkeit D, den Traunsee-Klettersteig – unser Ziel für diesen Tag.

An einem super heißen Juni-Tag sollte es so weit sein. Schon öfter starteten wir den Versuch den Traunstein zu erklimmen, aber Baustellen und ein Autounfall haben es bis jetzt vereitelt… bis JETZT!


Eckdaten:

Art der Tour: Alpiner Steig, Klettersteig
Ziel: Traunstein-Gipfel 1691 m
Talort: Gmunden
Startpunkt: Parkplatz Gmunden Ostufer
Route: Hernlersteig (B), Traunseesteig (D), Traunstein-Gipfel, Abstieg über Naturfreundesteig (A/B)
Dauer Aufstieg: Unsere Route ist mit ca. 3,5 h angegeben. Ich hab inkl. Pausen ca. 5 h gebraucht
Dauer Abstieg: ca. 3 h
Höhenmeter: 1361 HM
Schwierigkeit: anspruchsvoll, vor allem der Traunsee-Sportklettersteig in der Schlusswand (mehrere D-Stellen, sehr ausgesetzt)
Meine Anreise: Auto
Wetter: Sonne (extrem heiß!)
Einkehrmöglichkeit: Gmundnerhütte, Naturfreundehaus

Die Anreise

Selbst mit einem Auto gestaltet sich die Anreise, wenn man selten in Gmunden ist, etwas kompliziert. Es gibt 2 Routen durch das Örtchen: Gmunden Ost und Gmunden West. Für den Traunstein ist unser Ziel das Ostufer. Wichtig ist, dass man NICHT Richtung Bad Ischl fährt, sondern genau auf die Ausschilderung Gmunden Ost achtet. Die Straße führt an der großen Kreuzung nach links und umrundet den Ortskern.

Wenn man die richtige Straße gefunden hat, wird es leichter. Man fährt im Prinzip einfach so lange bis man bei einem Parkplatz ansteht. Dort findet sich sogar eine Toilette (ganz wichtig für die Damen!) und ein herrlicher Badestrand für das nasse Vergnügen nach der Gipfeljagd.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist selbstverständlich möglich, aber etwas kompliziert. Meine Empfehlung lautet: Mit dem Zug nach Gmunden Bahnhof, dann entweder zu Fuß oder per Stadtbus zur Ablegestation der Traunsee-Fähre und mit dieser bis zur Anlegestelle Gh Hoisn. Optional kann man natürlich ebenso gut ein Taxi ab Bahnhof nehmen oder im Zug ein Fahrrad mitführen und den Traunsee entlang bis zum Ostufer strampeln.


Der Aufstieg

Hier hat man wahrlich die Qual der Wahl was die Aufstiegswege angeht… aber so richtig entspannend ist wohl keiner davon. Am leichtesten ist der Aufstieg über den Mairalmsteig. Im Prinzip ist das ein normaler Wanderweg. Dann folgt der Naturfreundesteig, ein Klettersteig in Schwierigkeit A/B und einigen Gehpassagen, aber mit nicht zu verachtendem Panorama. Und als dritter markierter Weg folgt der Hans-Hernlersteig (auch A/B-B), welchen man gegen Ende noch optional mit dem Traunsee-Klettersteig (kurzer und knackiger D-Sportklettersteig) würzen kann.

Aufgrund der heißen Temperaturen haben wir einen Einheimischen befragt, was denn am Geeignetsten ist und er meinte, dass der Naturfreundesteig vom Panorama her der schönste Weg ist, jedoch um diese Zeit (es war ca. 12 Uhr) bereits sehr heiß ist. Daher entschieden wir uns vorerst für den Hernlersteig und optional für den Traunseesteig. Im Nachhinein betrachtet war das die richtige Entscheidung, da der Hernlersteig etwas mehr im Wald liegt und somit zumindest ein wenig Hitzeschutz bot.

Da die Frage immer wieder auftaucht: Wir sind den Hernlersteig und den Naturfreundesteig OHNE Klettersteig-Ausrüstung gegangen. Mit der nötigen Erfahrung und Trittsicherheit (!) ist dies möglich. Vor dem Traunsee-Klettersteig haben wir selbstverständlich das Klettersteig-Set angelegt.

Schon bald eröffneten sich auch auf dem Hernlersteig wunderschöne Aussichten auf den Traunsee hinab…

20170611_124911

Der Hernlersteig wird nach oben regelmäßig steiler und ist sehr fordernd und anstrengend. Hier bin ich defintiv an meine Grenzen gekommen. Dazu kam diese unsagbare Hitze, die mir wirklich den Rest gab. Ich wollte aber nicht umdrehen. „Notfalls streiche ich den Klettersteig am Schluss“, dachte ich mir.

Limit up

Nach einer kurzen Stärkungspause ging es jedoch wieder besser und so kämpfte ich mich bis zum Einstieg des Klettersteiges hoch. Angegeben ist der Zustieg mit 1h 45m (wie auch immer man das schaffen soll…). Ich habe inklusive aller Pausen (auch Fotopausen) ca. 3,5 h gebraucht für die 1250 HM Zustieg.


Der Traunsee-Klettersteig

Endlich war er da, der Einsteig zum berühmt berüchtigten Traunsee-Klettersteig. Auf der Traunsee-Fähre erzählt der Matrose, dass das einer der schwersten Sportklettersteige Österreichs ist und dass dort schon etliche Leute aus der Wand gefischt wurden. Na das macht einem doch Mut, oder? Persönliche Einschätzung ist jedoch immer noch das Beste und so habe ich mir die letzten 150 HM kletternd zugetraut.

Limit KS Schild

Ich tue mir erfahrungsgemäß sehr viel leichter beim Klettern als beim Wandern. Das ist eine reine Frage der Kraft, welche beim Klettern auf den gesamten Körper verteilt und nicht nur punktuell (z.B. in den Beinen) beansprucht wird. Zusätzlich dazu ist die Kondition nicht so sehr gefordert und hat Zeit sich zu regenerieren.

Ich will nicht behaupten, dass er leicht war, der Traunsee-Klettersteig, aber die D-Bewertung wurde mit Sicherheit beeinflusst von dem Zustieg und der Ausgesetztheit. Er ist sehr gut mit Drahtstiften gesichert und entspricht an vielen Stellen eher einer C als einer D. Und das sage ICH untrainiertes Etwas (immer noch, trotz viel Berg gehen).

Limit KS 1

Der Klettersteig endet direkt im Biergarten der Gmundner Hütte. Eine sehr motivierende Tatsache, vor allem wenn bei diesen Temperaturen in der Wand hängt.

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Der Aufstieg über den Hernlersteig und den Traunsee-Klettersteig wurde gerockt!

Limit KS


Der Traunstein-Gipfel

Nach einer kurzen und wohlverdienten Rast auf der Gmundnerhütte ging es noch das letzte Stück hinüber zum Traunstein-Gipfel auf 1691 m…

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Den Gipfel ziert ein sehr imposantes Kreuz, dass einen Menschen bei weitem überragt. Der Ausblick auf die umliegende Bergwelt ist traumhaft. Jeder einzelne Schritt da hoch ist es wert gegangen worden zu sein. Wirklich ein wahnsinnig befriedigendes Gefühl endlich da oben zu stehen.

Aber alles hat einmal ein Ende… und es wurde auch schon spät. Um ca. 18 Uhr haben wir den Abstieg angetreten. Unsere Wahl für den Abstieg fiel auf den Naturfreundesteig und damit hatten wir den dritten Klettersteig in unserer Route – Traunstein, der 3 in 1 – Klettersteigberg.


Der Abstieg über den Naturfreundesteig

Zuerst ging es zurück zur Gmundnerhütte und bei dieser links vorbei Richtung Naturfreundehaus. Anfangs ist es noch ein gemütlicher Wanderweg, da hier auch der Mairalmsteig abzweigt. Ab dem Naturfreundehaus beginnt bzw. eigentlich endet der Panorama-Klettersteig. Und hier sind jegliche Schwärmereien wirklich nicht übertrieben. Der Naturfreunde-Klettersteig bietet nahezu durchgehend einen herrlichen Panoramaausblick auf den Traunsee und die umliegende Bergwelt.

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Einziger Nachteil: Bei hohen Temperaturen wird es extrem heiß in der Wand. Auf jeden Fall ausreichend Wasser mitnehmen. Mindestens 2l.

Wir haben im Abstieg welche getroffen, die noch hoch wollten und uns um Wasser gebeten haben. Natürlich haben wir unsere letzten Reserven mit ihnen geteilt, aber unten angekommen waren wir trotzdem schon ziemlich ausgetrocknet.

Zum Steig selbst: Die Bewertung mit A und B Stellen finde ich passend. Klettersteig-Elemente wechseln sich mit Gehgelände ab. Zum Absteigen ist so ein Steig um einiges anstrengender als ein Wanderweg. Man kommt gefühlt kaum vorwärts und das war sehr demotivierend. Trotz der schönen Aussicht.

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Limit down


Der Rückweg

Entweder über die Forststraße oder entlang am See. Für die Forststraße nach den 2 Tunneln bei Gabelungen immer rechts halten bis man erneut auf die typisch gelben Wanderschilder trifft.

Wir sind versehentlich links abgebogen (wollten aufgrund der Uhrzeit eigentlich nicht mehr an den See), haben aber so noch einen schönen Sonnenuntergang gesehen.

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Ich war selten so froh wieder beim Auto zu sein, wie nach dieser Tour. Die hat mich wahrlich an meine eigenen Grenzen gebracht. Ich bin dennoch (oder vielleicht gerade deswegen) sehr froh sie gemacht zu haben und darüber erzählen zu können.

Der Traunstein ist ein wunderschöner Berg, der einem viel abverlangt, aber im Gegenzug wird man mit herrlichen Ausblicken belohnt. Nach jedem Schritt hat man das Gefühl, dass er das wert ist.

Ich kann diese Tour jedem passionierten Wanderer sehr ans Herz legen. Aber bitte nur mit der nötigen Erfahrung und Fitness, sonst wird aus diesem Traumberg schnell ein Albtraum…

Ich erwähne eingangs auf meiner Startseite, dass man in diesem Blog erkennen kann, wie weit sich ein Anfänger (bzw. in meinem Fall eher Untrainierter – weil Berg gehen tue ich schon seit Kindertagen) steigern kann. Dieser Bericht ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Diese lange und anstrengende Wanderung inklusive einem D-Klettersteig übertrifft die Anforderungen an einen Einsteiger bei weitem und ist von einer gemütlichen Wanderung weit entfernt (aber deswegen nicht minder schön!)

Für Genießer habe ich aber dennoch einen Tipp:
Und zwar alternativ die Wanderung UM den Traunstein

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2 thoughts on “[Klettersteig] x 3 am Traunstein”

  1. Servus Romana!

    Sehr schöner Artikel! Als absoluter Anti-Kletterer würde ich wohl den Mairalmsteig wählen müssen. Irgendwann will ich da schon auch einmal hoch, aber sicher am frühen Morgen und nicht in der Mittagshitze ;-).

    Have fun
    Horst

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    1. Hallo Horst!

      Vielen Dank! Wenn du kurzen Kletterpassagen nicht abgeneigt bist (immer wieder ca. 1m lange Drahtleitern o.ä.) dann kann ich dir dennoch den Naturfreundesteig sehr empfehlen. Das Panorama ist wahrlich unschlagbar und danach Abstieg über den Mairalmsteig. Ganz zu Beginn des Naturfreundesteigs ist eine Einstiegsleiter, die ist, würde ich behaupten, schon die Obergrenze an Schwierigkeit. Man braucht auch nicht unbedingt ein Klettersteigset.
      Geht halt extrem auf die Knie der Berg, ich hab meine an diesem Tag getaped, so ging’s.

      Und früh am Morgen kann ich sehr empfehlen haha, wir sind halb verglüht, nie wieder!

      Liebe Grüße!
      Romana

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