Bergtour, Fortgeschrittene, Klettern

[Klettern] Schärtenspitze (BGL) via Logic.Line IV+

Kletterer – Kleine Pünktchen in der Ferne, die sich langsam den Fels hocharbeiten.
Kletterer – Bewundernswerte Athleten, durchtrainiert und diszipliniert.
Kletterer – Alpinisten und Bergliebhaber in ihrer reinsten Form.
Kletterer – Die chilligste Lebenseinstellung, die ich mir vorstellen kann.
Kletterer – sind einfach cool.

Ich wollte schon immer ein Teil davon sein und am eigenen Leib spüren, wie sich der nackte Fels zwischen den angestaubten Fingern anfühlt. Ich wollte erfahren wie es ist, sich aus eigener Kraft einen Weg durch eine Felswand zu suchen und sie zu erklimmen, während die Muskeln spannen und der Schweiß vom angespannten Körper tropft.

Eine meiner ersten richtigen Mehrseillängen mit längerem Zustieg und einen Hauch von alpinem Flair ging auf die Schärtenspitze im wunderschönen Ramsau bei Berchtesgaden. Die Wahl auf die Route fiel deswegen, da es an diesem Tag sehr heiß werden sollte und die NORDWEST-Exposition der Wand einen schattigen Vormittag garantierte.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Fortgeschrittene Kletterer würden diese Route als Plaisier- bzw. Genusskletterei bezeichnen.


Eckdaten:

Art der Tour: Klettertour (MSL)
Ziel: Schärtenspitze 2153 m
Talort: Ramsau bei Berchtesgaden
Startpunkt: Parkplatz Hintersee, Bushaltestelle „Holzlagerplatz“
Dauer Zustieg: ca. 2 h
Dauer Durchstieg: ca. 3 h
Dauer Abstieg: ca. 2 h
Höhenmeter: Klettern: 290 HM, gesamt: 1380 HM
Schwierigkeit: IV+ (leicht, geeignet für alpine Neulinge und Plaisierkletterer)
Benötigte Ausrüstung: 50 m Einfachseil, 8 Expressen, SU-Schlingen, Helm (!)
Empfohlene Anreise: Auto oder Bus bis „Holzlagerplatz“
Einkehrmöglichkeit: Blaueishütte, Schärtenalm (unbedingt den Kuchen probieren!)

Das Topo der Route findet ihr hier zum Download: Topo Logic.Line IV+ (PDF)


Die Anreise

Beim Klettern ist es ja so, dass man dazu immer mindestens eine weitere Person zum Sichern benötigt. In manchen Fällen macht man sich sogar zu dritt oder viert auf den Weg. In diesem Fall waren wir in vertrauter 3-er Seilschaft unterwegs und der Vorteil davon ist u.a. dass mindestens einer mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Auto hat. Mit dem ganzen Kletterkrempel und Gedöns ist die Anreise mit einem eigenen Vehikel also schwer von Vorteil. Die Routen um die Blaueishütte sind jedoch mit dem Bus ebenfalls gut zu erreichen, denn der Wanderweg startet direkt bei der Bushaltestelle „Holzlagerplatz“. Mit der Buslinie 846 ab Berchtesgaden Bahnhof kommt man direkt dorthin. Mit dem Auto geht es zuerst nach Berchtesgaden und beim großen Kreisverkehr Richtung Ramsau / Hintersee. Wer es kennt: Zur Wimbachbrücke wäre es die selbe Straße, nur ein Stück weiter.

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Parkplatz am Holzlagerplatz

Der Anstieg zur Blaueishütte

So, nun geht es also endlich los, das große Abenteuer. Der vorgesehene Zustieg zur Blaueishütte ist ein laaaaanggezogener Forststraßenweg, der gefühlt ewig dauert. Daher behielten wir uns dieses Sahnestückchen bis zum Abstieg auf und wählten für den Zustieg den nicht gekennzeichneten Jägersteig. Eine kleine Abkürzung die selbst mich unfittes Etwas in 1h und 45m auf die Blaueishütte bringt (statt der angeschriebenen 3h).

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Besagte Forststraße – nicht der aufregenste Wanderweg
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Endlich ab in den Wald zum Jägersteig… wir sind nicht die ersten

Ich halte mich an dieser Stelle bewusst zurück mit genauen Angaben von Koordinaten, einer Wegbeschreibung o.ä. da der Steig offiziell nicht gekennzeichnet ist. Als kleiner Tipp sei gesagt: In einer Linkskurve zweigt die Forststraße rechts ab. Wenn man dieser Abzweigung folgt, könnte man eventuell bald obiges Bild wieder erkennen.

Der Jägersteig endet auf der zuvor schon kennengelernten Forststraße. Hier eröffnen sich bereits die ersten Blicke auf das sagenhafte Panorama, dass uns schon bald umgibt.

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Das letzte Drittel Richtung Blaueishütte
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Die markante Blaueisspitze, rechts daneben der Hochkalter
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Blick zurück zur Reiter Alpe mit dem ebenfalls sehr markanten Wagendrischelhorn

Die Blaueishütte

…oder auch…Heimstätte des wohl berühmtesten Kuchens im Berchtesgadner Landkreis.

a_Blaueishütte_Schild
Ein berühmtes Fotomotiv

Die Blaueishütte ist jedoch nicht nur für ihren Kuchen weltberühmt, sondern ebenfalls als Ausgangspunkt diverser alpiner Unternehmungen rund um den Blaueisgletscher. Sie verfügt über 20 Betten und 64 Lager und ist während der Sommersaison bewirtschaftet.

Keinem geringerem als Hermann Buhl, der in der Ramsau ansässig war, fiel Ende 1955 auf, dass die ursprüngliche Blaueishütte einer Staublawine zum Opfer fiel. Daraufhin wurde von 1958-1962 die aktuelle Hütte auf ihrem jetzigen, lawinensicheren Standort erbaut.

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Die letzten Überreste der alten Blaueishütte sind noch zu sehen

Leider war es mir noch nicht vergönnt auf der Hütte einzukehren und schon bald machten wir uns weiter auf den Weg Richtung Einstieg zu unserer Kletterroute…

a_Blick zur Blaueishütte
Ein Blick zurück zur Blaueishütte

Die Route – Logic.Line

Über Stock und über Stein… hmmm nein, eigentlich nur über Steine, große und kleine, ging es zum Einstieg unserer heutigen Mehrseillänge.

Dank des hervorragenden Orientierungssinns meiner erfahrenen Begleiter, musste ich denen lediglich hinterher schlurfen und konnte mich auf das zauberhafte Panorama ringsum konzentrieren.

Der Einstieg ist nicht allzu schwer zu finden. Man folgt dem Normalweg Richtung Hochkalter und später Richtung Steinberg. Man verlässt diesen Weg und hält sich in Richtung der flachen und typischen Platten. Der Einstieg befindet sich an der Stelle, an der die Platten bis ganz nach unten reichen. Klingt kompliziert, ist aber logisch vor Ort.

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Am Einstieg zur Logic-Line – Jetzt wird es ernst!
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Die letzten Vorbereitung bevor es los geht, im Hintergrund die Anfangsplatte

Und ab die Post… der Vorteil als Anfänger in einer 3er-Seilschaft ist, dass man sich absolut nur aufs Klettern konzentrieren kann/darf/muss. Klar möchte ich auch Stand bauen können, die Sicherungstechniken festigen und eigenständiger Klettern, aber ab und an, vor allem im alpinen Gelände, lehne ich mich gerne mal zurück und genieße einfach. So auch auf dieser Tour.

Die Tour beginnt mit gemütlichen 3er-Passagen über plattiges und gemüsiges Gelände, genau richtig für alpine Neulinge. Die Tour ist durchgängig gut mit Bohrhaken und Sanduhren abgesichert.

1. SL: Plattiges 3er-Gelände. Achtung bei Nässe (siehe Foto)!

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Am Ende der 1.SL – Foto (c) Dani

2. SL: Schönes 3+ Klettern, keine Platten in diesem Abschnitt

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In der 2. SL – Foto (c) Dani

3. SL: Schöne Mischung aus Platten und Fels mit guten Griffen. Erneut eine angenehme 3er-Kletterei.

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In der 3. SL – Es wird spannender… – Foto (c) Dani

4. SL: Diese führt nun durch gemüsiges „mehr oder weniger“ Geh-Gelände. Solche Passagen könnte man von mir aus ruhig streichen. Wandern in Kletterschuhen ist nicht mein Lieblingssport. Andererseits ist hier ein guter Platz für eine Rast oder um ein paar Bilder des Ausblicks zu schießen…

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Die 4. SL: Gemüse, Gemüse überall – Auf dem Weg zur Schlüsselstelle

Die Blaueisspitze und der Hochkalter zu eurer Rechten, immer im Blick. Unsere Routenwahl für einen heißen Sommertag war genau richtig. Die Logic.Line liegt teilweise -noch- im Schatten.

a_Blaueisspitze und Hochkalter
Blaueisspitze und Hochkalter

Aber dennoch steigt die Sehnsucht nach dem kühlen See…

a_Blick zum Hintersee
Blick zum Hintersee in Ramsau

Ebenfalls zu eurer Rechten befindet sich der Rotpalfen. Hier finden sich weitere unzählige Kletterrouten. Schwierigkeitsgrade ca. im VI+ Bereich. Das Gebiet rund um die Blaueishütte kann man guten Gewissens als Kletterparadies bezeichnen.

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Rotpalfen in der Bildmitte

Die Schlüsselstelle IV+/V-

So! Genug der Aussicht! Auf geht’s zur Schlüsselstelle!

Die 5. SL ist die Schlüsselstelle der Route im Schwierigkeitsgrad IV+ mit einer kurzen Stelle V-, und zwar genau wenn man von der rechten Seite nach links auf die Platte (und in die sichere Wasserrille) queren muss. Das war meine erste Erfahrung mit derartigen Platten und dementsprechend nervös wurde ich beim Anblick der schmalen Wasserrillen. Aber notfalls gibt’s ja immer noch Plan B – den verhassten „Exen-Griff“. Den Vorstieg übernahm an dieser Stelle die unschlagbare Plattenqueen Dani.

Zuerst klettert man einen breiten Riss (oder ist es mehr ein Loch?) hinauf…

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Endlich bei der Schlüsselstelle

Nach dem Spalt warten bereits die Platten mit den Wasserrillen.

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Los geht’s den Spalt hinauf

Ein schneller Blick aus der Route zum Gipfel…

a_Blick aus der Route zum Gipfel
Die Platten der Schlüsselstelle – in Bildmitte der Gipfel der Schärtenspitze

Aber wie das so ist mit Schlüsselstellen… man ist froh, wenn es geschafft ist und denkt leider nicht an weitere Fotos.

Ich „leihe“ mir an dieser Stelle ein Bild von bergsteigen.com (Fotograf: Andi Riesner), um einen Eindruck von dieser tollen Stelle zu vermitteln.

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Die Schlüsselstelle der Logic.Line – Foto (c) Andi Riesner

6. SL bis 8. SL sind mehr oder weniger wieder ein Spaziergang in leichtem 2er und 3er-Gelände…

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Auf dem Weg zum Ausstieg über leichtes Gelände – Foto (c) Dani

Und geschafft! Alle happy!

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Das obligatorische Selfie am Ausstieg

Aber moment mal… war da nicht noch irgendwo ein Gipfel zu erklimmen?


Der Gipfel der Schärtenspitze

Die Kletterroute endet nicht weit vom Normalweg auf die Schärtenspitze, daher haben wir beschlossen (also vor allem auf meinen Wunsch hin, weil ich noch nie dort war), den Gipfel mitzunehmen. Vom Ausstieg sind es noch ca. 30 Minuten bis zum Gipfel. Aufgrund der Steinschlaggefahr ist es ratsam (!) den Helm auf zu lassen. Das restliche Zeug haben wir inzwischen am Ausstieg deponiert. Nur noch schnell die Schuhe gewechselt (aaaaaaaah herrlich!) und Wasser getankt. Schön langsam hat sich die Sonne den Platz am Himmel erkämpft und es wurde richtig heiß.

Der Normalweg auf die Schärtenspitze ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Man kommt auch dort in den Genuss leichter Kletterei im I. Schwierigkeitsgrad. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind unbedingt erforderlich.

Für uns Kletterer ist das jedoch ein Klacks *zwinker*

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Ein ziemlicher Schotterhaufen da hoch, daher ist ein Helm sehr wichtig!

Schwierige Stellen sind mit Drahtseilen versichert.

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Leichte Kletterstellen gibt es auch am Normalweg (stellenweise drahtseilversichert)

Yeah! Wir sind endlich oben! Was für ein überwältigendes Gefühl! König Watzmann hat uns schon erwartet. Das war für mich eine Überraschung, irgendwie war mir nicht bewusst, dass er der Nachbar der Schärtenspitze ist. Doofkopf ich!

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Gipfelgrat der Schärtenspitze, im Hintergrund der Watzmann

Das Gipfelpanorama ist ein wahrer Augenschmaus!

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Blick hinüber zur Blaueisspitze und dahinter der Hochkalter
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Von links nach rechts: Schönfeldspitze, Schönegg, Dani, Großer Hundstod
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Die gemeine Alpendohle, im Hintergrund König Watzmann
a_Gipfelkreuz
Das Gipfelkreuz der Schärtenspitze (2153 m), dahinter Zwiesel, Hochstaufen, Lattengebirge und Untersberg (v. li.)
a_Gipfelselfie
Das obligatorische Gipfel-Selfie
a_Stoaberg-Gipfel
Blick hinab zum Steinberg-Gipfel

Nun wurd’s uns aber doch schon ein wenig zu heiß… und die Aussicht auf Kuchen und ein kühles Blondes (ja, das passt zusammen!) trieb uns dann letztendlich doch dazu den Abstieg anzutreten.


Der Abstieg

Pfu, mir fällt hier eigentlich nur ein Wort ein: Schotterpiste. Denn nichts anderes ist der Normalweg auf die Schärtenspitze. Einen Teil davon kannten wir ja bereits, nun hieß es nur noch das gebunkerte Zeug wieder finden und weiter hinab steigen. An dieser Stelle ein Tipp: Kennzeichnet die Stelle mit einem Steinmann oder ähnlichem. Wir wären fast daran vorbei gelaufen.

Der Normalweg ist nicht wirklich aufregend. Man muss nur höllisch aufpassen auf den großen Steinen nicht zu sehr ins Rutschen zu kommen oder hängen zu bleiben. Noch dazu hatten wir nur leichte Schuhe an, da niemand zum Klettern die schweren Bergtreter einpackt.

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Der Normalweg auf die Schärtenspitze…
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…führt größtenteils über derartige Geröllfelder

Nun aber hurtig! Der Kuchen wartet! Ich wäre am liebsten bereits auf der Blaueishütte zusammen gebrochen, aber meine Mitkletterer meinten, dass auf der Schärtenalm der Kuchen sogar noch besser schmeckt. Also wer so eine Behauptung aufstellt, dem MUSS nachgegangen werden! Also auf zur Schärtenalm! An dieser kommt man letztendlich sowieso vorbei, wenn man die Forststraße ab der Blaueishütte absteigt und nicht den Jägersteig geht.

a_Schärtenalm
Die urige Schärtenalm

Yipiiiiiiie! Geschafft! Endlich Elektrolyte und Zucker-Reserven wieder auffüllen! Ein Traum!

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Ein wirklich ausgezeichneter Kuchen! – Foto (c) Dani

Tipp für heiße Tage: Danach ein Sprung in den Hintersee oder Thumsee. Wir haben uns Zweiteres gegönnt und es war richtig herrlich!

Was? Davon wollt ihr auch ein Foto? Hmmmm… ich muss weg!

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